Hamburg Center for Health Economics (HCHE)

Wenn Aufsichtsräte sich einmischen …

… ist das nur gut so. Dies ist ein zentrales Ergebnis einer aktuellen Studie, die jetzt am Hamburg Center for Health Economics (HCHE) veröffentlicht wurde. Denn eine aktive Einflussnahme von Aufsichtsgremien auf die strategische Zielplanung in Krankenhäusern bringt einen positiven Effekt auf das Geschäftsergebnis.

Das HCHE-Forscherteam befragte unter der Leitung von Jonas Schreyögg Aufsichtsgremien von 200 deutschen Krankenhäusern aller Trägerschaften zu ihrer Rolle in der strategischen Zielplanung. Dabei zeigte sich: Aufsichtsgremiumsmitglieder, die sich aktiv in die strategische Zielplanung einbringen, erhöhen die Krankenhausproduktivität. "Eine gute Zusammenarbeit wirkt sich direkt auf die Wirtschaftlichkeit und Produktivität des Krankenhauses aus", so Antonia Büchner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am HCHE. "Beide Seiten sollten daher ein vertrauensvolles und kooperatives Verhältnis entwickeln."

Zu stark darf der Einfluss auch nicht sein
Die Geschäftsführung sei gut darin beraten, die Rolle des Aufsichtsgremiums zu stärken und es in ihre strategischen Planungen einzubinden. Gleichzeitig verschlechtert sich jedoch die Zusammen¬arbeit beider Parteien, wenn der Einfluss des Aufsichtsgremiums zu stark wird.

Die Forscher haben zum Teil deutliche Unterschiede zwischen den Trägerschaften festgestellt. Sie konnten bestätigen, dass bei den Krankenhäusern in öffentlicher Trägerschaft die politische Durchdringung der Aufsichtsgremien deutlich größer aus als bei freigemeinnützigen Trägern. "Dies birgt das Risiko der Überlagerung von betriebswirtschaftlichen Entscheidungen durch parteipolitische Interessen mit abträglichen Wirkungen für den Unternehmenserfolg", sagt Antonia Büchner.

Die politische Durchdringung von Krankenhausaufsichtsgremien spiegelt sich auch in der Zusammensetzung nach gesellschaftlichem Engagement wider. Die größte Gruppe mit 33 Prozent sind politische und kirchliche Funktionsträger wie Bürgermeister, Landräte, Geistliche oder Ordensschwestern. Außerdem ist mehr als jedes dritte Aufsichtsratsmitglied Politiker (38 Prozent) mit aktivem Mandat. Bei den öffentlichen Krankenhäusern sind es sogar 58 Prozent im Unterschied zu den freigemeinnützigen Häusern mit 12 Prozent. Der hohe Anteil von Mandatsträgern in Aufsichtsgremien öffentlicher Häuser ist auf die Struktur der Aufsichtsgremien zurückzuführen. So haben hier beispielsweise vorrangig Bürgermeister oder Landräte den Vorsitz inne.

Die Studie "The impact of the board’s strategy-setting role on board-management relations and hospital performance" von V.A. Büchner, J. Schreyögg (beide HCHE) und C. Schultz (Universität Kiel) ist in Health Care Management Review erschienen.

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