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Medizintourismus in HessenEinstiger „Hot-Spot“ kommt zum Erliegen

Noch 2019 sollte die Gesundheitsregion FrankfurtRheinMain zum „Hot-Spot für internationale Patienten werden. Doch Corona und der Krieg in der Ukraine haben dem Medizintourismus in Hessen stark zugesetzt.

Arzt mit Patient
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Symbolfoto

Eine Reise nach Hessen kann viele Gründe haben: ein Geschäftstermin, ein Ausflugstrip, aber auch eine medizinischen Behandlung. Besonders die Frankfurter Region ist bei Patienten aus dem Ausland gefragt. Doch Corona und der Krieg in der Ukraine haben dem Medizintourismus stark zugesetzt. Jetzt sucht die Branche Wege aus der Krise.

Das Geschäft mit dem Medizintourismus sei mit einer Vollbremsung nahezu zum Stillstand gebracht worden, sagt Plamen Staikov, Ärztlicher Direktor im Krankenhaus Sachsenhausen. Auswirkungen würden sich noch immer bemerkbar machen, auch wenn die Tendenz positiv sei. In seiner Klinik gebe es derzeit rund zehn Anfragen pro Woche aus dem Ausland, das sei in etwa Vor-Corona-Niveau. Problematisch sind nach seiner Einschätzung aber häufig die administrativen und bürokratischen Hürden.

Neue Quellmärkte sollen erschlossen werden

„Die Nachfrage ausländischer Besucher sowohl nach touristischen als auch nach medizinischen Angeboten ist in den vergangenen beiden Jahren stark zurückgegangen“ erklärte Thomas Feda, Geschäftsführer der Frankfurter Tourismus+Congress GmbH. Um die Situation wieder deutlich zu verbessern, brauche es allerdings einen langen Atem.

Um die aktuelle Lage zu beraten und Wege aus der Krise zu finden, sind am 30. Mai 2022 verschiedene Expertinnen und Experten in Frankfurt zu einer Fachtagung zusammengekommen. Ein Ziel sei, dass neue Quellmärkte erschlossen werden müssten. „Der russische Markt ist aus vielen Gründen quasi tot“, sagte Holger Reuter, Geschäftsführer der Klinik Dr. Baumstark in Bad Homburg. Dafür brauche es dringend eine Kompensation. Interessant könnte laut dem Hamburger Gesundheitsexperten Anderas Keck der afrikanische Markt sein, insbesondere Patientinnen und Patienten aus Nigeria.

Medizintourismus ist für Branche wichtiges Geschäft

Auch in anderen deutschen Großstädten hatte Corona massive Auswirkungen: In den Berliner Vivantes-Kliniken ging die Zahl sogenannter Medizintouristen zuletzt sogar so stark zurück, dass der landeseigene Krankenhauskonzern Ende März seine zentrale Abteilung für internationale Patienten aufgelöst hat. Am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München sei das Auslandsgeschäft in zwei Jahren Pandemie „weitgehend zum Erliegen gekommen“, erklärte kürzlich eine Sprecherin.

Der sogenannte Medizintourismus gilt laut einer Kurzübersicht des Bundestags als gezielte Reise ins Ausland zur medizinischen Behandlung. Für die Branche ist es ein wichtiges Geschäft. Wirtschaftswissenschaftlerin Mariam Asefi von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg geht davon aus, dass mit Datenstand 2018 ausländische Patienten deutschen Krankenhäusern noch etwa 1,2 Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen jährlich gebracht haben. Hessen lag in Sachen Medizintourismus demnach 2018 deutschlandweit auf Rang fünf. Neben der Frankfurter Region sieht sie beispielsweise in Marburg oder Wiesbaden wichtige Standorte.

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