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InterviewMediziner - Familiärer Rückhalt bei Reha sehr wichtig

Wovon der Erfolg der Reha abhängt und welche Rolle Angehörige bei der Therapie spielen.

Monica Lierhaus ist nach schwerer Krankheit wieder zurück. Die Moderatorin hatte nach einer Gehirn-Operation, bei der ein Aneurysma beseitigt werden sollte, Komplikationen erlitten. Anselm Reiners ist am Klinikum Bogenhausen in München Chefarzt für Physikalische Medizin und Frührehabilitation. Wovon der Erfolg der Reha abhängt und welche Rolle Angehörige bei der Therapie spielen, erklärt der 54-Jährige der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: Sind manche Funktionen nach einer Gehirnverletzung wie zum Beispiel bei einem Schlaganfall oder einer Hirnblutung leichter wieder erlernbar als andere?

Reiners: "Man kann nicht generell sagen: Die Sprache kommt schneller zurück, als die Motorik. Das muss man individuell sehen."

Können manche Funktionen auch für immer wegfallen?

Reiners: "Das kommt immer darauf an, was geschädigt ist. Bei bestimmten Gehirn-Arealen kann die Schädigung auch von Dauer sein. Es gibt aber auch immer wieder Patienten, die wieder vollkommen gesund werden und nur einige Restdefizite behalten."

Ist die Therapie irgendwann "ausgereizt"?

Reiners: "Auf gar keinen Fall. Gerade bei jungen Patienten kann es sein, dass sich ihr Zustand nach einem scheinbaren Stillstand wieder verbessert, zum Beispiel, wenn man ihre Umgebung wechselt."

Welche Rolle spielt der Rückhalt von Freunden und Familie?

Reiners: "Hirnblutungen können mit einer depressiven Verstimmung einhergehen. Die Patienten ziehen sich dann häufig zurück und sind für eine Therapie nicht zu motivieren. Deshalb ist der familiäre Rückhalt sehr wichtig. Meistens wird bei der Therapie auch nicht nur der Patient von einem Psychologen betreut, sondern auch seine Angehörigen."

Was ist ihre schönste Erfolgsgeschichte bei einem Patienten mit einer Gehirnverletzung?

Reiners: "Es gab einen Studenten aus Russland, der mit einem Baseballschläger zusammengeschlagen worden ist und eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung hatte. Der wurde quasi nicht bewegungsfähig hier eingeflogen. In monatelanger Arbeit haben wir ihn dann so weit rehabilitiert, dass er wieder studieren kann. Er hat mir eine Mail geschickt aus Murmansk, dass er glücklich ist. Er war nämlich in Begriff, in ein russisches Militär-Altenwohnheim zu kommen. Nur die Initiative seines Professors und ein Zuschuss der russischen Regierung haben ermöglicht, dass er zu uns in den Westen kam."

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