Georg Thieme Verlag KG
kma Online

SterilgutDer Teufel steckt im Transport

Robert Otzmann, Vertriebsleiter Medizin beim Unternehmen Hupfer, über validierte Prozesse in der Sterilgutlogistik, Outsourcing von ZSVAs und unzureichende Regelungen zum Transport von Sterilgut.

Herr Otzmann, was kann Deutschland von anderen Ländern lernen, die erfolgreicher im Kampf gegen multiresistente Keime sind?
In Deutschland ist im Gesundheitswesen vieles noch nicht selbstverständlich, was etwa in den Niederlanden tägliche Routine ist. Selbst für die Notwendigkeit einer Desinfektion der Hände vor bestimmten Tätigkeiten fehlt bei Ärzten und dem Krankenhauspersonal oft immer noch das Bewusstsein.


Wie viele Krankenhäuser führen in Deutschland die Sterilgutaufbereitung selbst durch? Was spricht für die Eigenregie?
Dazu kennen wir keine gesicherten Zahlen. Aber für die Frage des Risikos einer Kreuzkontamination oder der nosokomialen Infektionen – ob nun mit MRSA oder anderen Bakterien und Viren – ist es aus unserer Sicht irrelevant, wer die Aufbereitung vornimmt oder den LKW mit dem Sterilgut fährt. Manche Verbundkliniken  arbeiten mit ihren Aufbereitungseinheiten für Medizinprodukte (AEMPs) komplett autark. Sehr wenige haben die ZSVAs outgesourct und gehen den Weg zurück zu einem Insourcing. Grundsätzlich hält der Trend zum Outsourcing aus Gründen der Kostentransparenz aber nach wie vor an. Der entscheidende Faktor für eine hohe Hygiene ist dabei, dass die Prozesse und konkrete Arbeitsanweisungen nicht nur definiert und validiert sind, sondern auch überprüft und umgesetzt werden.

Welche Hygienekonzepte können helfen, die nosokomialen Infektionen zu senken?
Nosokomiale Infektionen oder MRSAs sind in erster Linie ein Hygieneproblem, das an der Schnittstelle „Mensch“ auftaucht. Die Schulung aller Mitarbeiter und der Kollegen vom Hol- und Bringedienst
ist deshalb elementar. Wichtig ist beispielsweise ein ganzheitlich durchgehendes System zum Transportieren und Lagern, das eine Systemhygiene ermöglicht. Denn die Instrumente können damit nach dem Packen komplett ohne Handkontakt in den Sterilgutkreislauf bis zum OP gegeben werden. Als Material für die Wagen sollten Transporteure ausschließlich auf Edelstahl zu setzen, das besonders gut gereinigt werden kann. Siebe und Körbe sollten zusätzlich mit einer hochwertigen Elektropolierung behandelt sein. Vollverschweißte Modelle bieten außerdem den Vorteil, keine schwer zugänglichen Nischen zu bieten, in denen sich Bakterien ansiedeln könnten.

Sind die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut (KRINKO) ausreichend?
Aus unserer Sicht ist die Aufbereitung von Medizinprodukten umfassend geregelt. Nicht hinreichend sind aber die Regelungen zum Transport von Sterilgut – egal, ob kontaminiert oder aufbereitet. Die Vorgabe lautet im Moment, dass Siebe und Container mindestens 20 Minuten abzukühlen sind. Anschließend dürfen sie transportiert werden. Diese Zeitdauer reicht nicht in jedem Fall aus. Transportiert man etwa Instrumente mit einer Restwärme von 40 bis 50 Grad Celsius und sie gelangen anschließend in eine kalte Umgebungsluft von etwa 0 bis minus 5 Grad, kann der Worst Case schnell eintreten: die Kondensation – die Instrumente beschlagen. Die Wasseransammlung ist dann die Brutstätte für Keime. Insofern reichen die Vorgaben hier nicht aus. Wir empfehlen deshalb, Transportwagen aus Edelstahl einzusetzen, die die Wärme relativ lange halten und nicht so schnell auskühlen wie Transportwagen aus Aluminium.

 

Weitere Aritkel zu diesem Thema

Fallzahlen deutlich reduzieren

Dos and Don’ts für die ZSVA

 

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!