Der internationale "Krieg gegen Drogen" (War on Drugs) hat Experten zufolge zu einer Zunahme des organisierten Verbrechens, eskalierender Gewalt, überfüllten Gefängnissen und einer größeren Ansteckungsgefahr mit dem Aidserreger HIV geführt. Dies geht aus der "Wiener Erklärung" hervor, die am Montag im Vorfeld der 18. Internationalen Aids-Konferenz (AIDS 2010) veröffentlicht wurde und ein grundsätzliches Überdenken der derzeitigen Drogenpolitik fordert. Zu der Konferenz unter dem Motto "Rechte hier und jetzt" werden vom 18. bis 23. Juli rund 25.000 Teilnehmer in der Donaustadt erwartet.
Es sei zweifelsfrei bewiesen, "dass strafrechtliche Verfolgung die Verfügbarkeit von illegalen Drogen nicht unterbinden konnte (...)", heißt es in der sogenannten "Vienna Declaration", die von 32 internationalen Ärzten und Aids-Experten verfasst wurde. Wissenschaftliche Erhebungen zeigten, dass trotz aller bisher ergriffenen Maßnahmen die Zahl von Ländern, in denen Menschen sich illegale Drogen injizieren, weiter wachse. Vor allem in Osteuropa und Zentralasien, wo das Virus sich besonders schnell ausbreite, seien mittlerweile mehr als 80 Prozent aller HIV-Infizierten drogenabhängig.
Die derzeitige Drogenpolitik, die Drogenabhängige kriminalisiert, habe unter anderem zu Verboten bei der Versorgung mit sterilen Nadeln und Opioid-Substitutionstherapien geführt. Dies habe die Aids- Epidemie letztlich noch verstärkt. Zudem steckten sich zahlreiche Drogenabhängige im Gefängnis mit dem Virus an, da es dort keine ausreichende HIV-Prävention gebe. Drogenabhängigkeit sei eine Krankheit und kein Verbrechen, sagte Julio Montaner, der internationale Vorsitzende der AIDS 2010, der die Erklärung mitverfasst hat.


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