Im kommenden Jahr geht es behutsam wieder aufwärts: Ein Prozent mehr könnte es werden, wenn die positive Entwicklung bei Konjunktur und Löhnen anhält. Selbst die Deutsche Rentenversicherung Bund, die sich mit Prognosen traditionell zurückhält, ist sich sicher: 2011 geht's wieder aufwärts.
Goldene Zeiten für die Ruheständler brechen damit natürlich nicht an. Auch ein Prozent Erhöhung - sofern es dazu tatsächlich kommt - kann nicht wettmachen, was den Rentnern an Kaufkraft durch Inflation und steigende Krankenkassenbeiträge verloren geht. Doch die Aussichten waren vor kurzem noch deutlich düsterer. Sinkende Einkommen der Beschäftigten in der Krise - verstärkt durch die massenhafte Kurzarbeit - förderten solche Erwartungen.
Die Renten-Nullrunde zur Jahresmitte schien keine Eintagsfliege zu sein. Auf Jahre hinaus, so prophezeiten viele Experten, werde das so weiter gehen. Bestenfalls Mini-Erhöhungen mit einer Null vor dem Komma schienen möglich. Nur unverbesserliche Optimisten erwarteten, dass die Konjunktur nach der Finanz- und Wirtschaftskrise so schnell wieder Tritt fassen würde. Von Beschäftigung und Entwicklung der Einkommen aber sind die Renten unmittelbar abhängig.
Mehr Arbeitsplätze und höhere Löhne ziehen deshalb auch die Renten mit nach oben, allerdings diesmal nur gebremst. Denn: Würde die derzeitige Einkommenserholung ungeschmälert weiter gegeben, käme 2011 wahrscheinlich eine Rentenerhöhung in der Größenordnung von etwa drei Prozent heraus, meint selbst der Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, Herbert Rische. Dass es dazu nicht kommt, hat mehrere Gründe.
So hat sich über die Jahre durch unterbliebene Rentenkürzungen und außerplanmäßige Rentenerhöhungen ein Minuskonto der Rentner aufgebaut - von 3,81 Prozent im Westen und 1,83 Prozent im Osten. Diese "Bugwelle" muss durch Verrechnung mit künftigen Rentenerhöhungen in den nächsten vier bis fünf Jahren erst wieder abgebaut werden.
Zur Erinnerung: Die Rentner bekamen im vergangenen Jahr - fast wie zufällig kurz vor der Bundestagswahl und noch mitten in der Wirtschaftskrise - die höchste Rentenerhöhung seit mehr als zehn Jahren. Im Westen um 2,4 Prozent, im Osten 3,4 Prozent. Möglich wurde das, indem Union und SPD in die Trickkiste griffen und die Rentenformel vorübergehend zu Gunsten der Ruheständler abänderten. Die große Koalition hätte andernfalls mit einer Wutwelle der 20 Millionen Rentner beim Urnengang rechnen müssen. Geschenkt wurde den Rentnern aber dennoch nichts. Die Rechnung wird eben nur später präsentiert: Was damals zuviel floss, müssen die Begünstigten nun schlicht mit den künftigen Rentenerhöhungen abstottern. Jeweils die Hälfte vom theoretisch eigentlich Möglichen wird verrechnet.
Zuvor haben dann aber schon die - zum Teil vorübergehend ausgesetzten Dämpfungsformeln (Riesterfaktor, Nachhaltigkeitsfaktor) - ihre Wirkung bei der Rentenberechnung entfaltet. Sie allein dürften im kommenden Jahr etwa 1,2 Prozent vom Renten-Erhöhungspotenzial auffressen. Dass das alles trotzdem nicht in Form neuer Nullrunden oder Minianpassungen auf die Rentner zurückschlägt, haben sie allein dem rasantesten Wirtschaftsaufschwung seit dem Mauerfall zu verdanken.


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