Danach habe es nur noch leere Absichtserklärungen gegeben.
"Der von Grünenthal immer wieder zitierte Dialog mit den Betroffenen ist eine Farce", sagte Verbandsvorsitzende Margit Hudelmaier. Das Unternehmen sei moralisch in der Pflicht, die Opfer brauchten Hilfe. Durch ständige Fehlbelastungen seien viele Betroffene, die um die 50 Jahre alt sind, in einem Gesundheitszustand von 75-Jährigen.
Grünenthal hatte das Schlafmittel am 27. November 1961 vom Markt genommen. In Deutschland waren durch Contergan 5000 Kinder mit Missbildungen zur Welt gekommen. Grünenthal hatte nach der Katastrophe 51 Millionen Euro in eine Stiftung eingezahlt. Auch die Sonderzahlung floss ins Stiftungskapital.
Für die 2.700 noch lebenden Opfer spitze sich die Situation zu, sagte die Verbandsvorsitzende Margit Hudelmeier. Noch mehr als früher seien sie durch die Überbelastung von Sehnen und Skelett auf Hilfe angewiesen. "Wir bekommen nur finanziert, was satt und sauber macht, aber nicht zu mehr Lebensqualität führt", sagte die Vorsitzende, die mit zwei kurzen Armen zur Welt kam.
Der größte Contergan-Opferverband fordert von Grünenthal 100.000 Euro pro Opfer für "die erlittenen Lebenseinbußen" und konkrete Hilfen zur Bewältigung des Alltags. Ein wichtiges Thema sei die sehr teure Ausstattung von Autos mit einer Fußlenkung. Wohnungen müssten umgebaut werden, wenn die bisher pflegenden Eltern sterben.
Grünenthal hatte im Sommer nach eigenen Angaben in einer "Härtefallregelung" mit der Unterstützung schwerst geschädigter Opfer begonnen. Demnach übernimmt das Unternehmen Kosten für Sachleistungen, die die Sozialkassen nicht tragen. "Die Härtefallregelung wird rege angenommen", sagte eine Sprecherin, ohne konkrete Zahlen zu nennen.


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