Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG
Georg Thieme Verlag KGGeorg Thieme Verlag KG

GesundheitsmigrationOsten kränker als Westen - Ausnahme Depressionen

Wie ungleich die Volkskrankheiten über das Bundesgebiet verteilt sind, zeigt der Sammelband „Gesundheitswesen aktuell 2011“, herausgegeben von der Barmer GEK.

Der Bamd vergleicht die Verbreitung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Depression zwischen den Regionen. Demnach tragen die Sachsen die höchste Krankheitslast, die Baden-Württemberger die geringste. Besonders krankheitsanfällig ist die Bevölkerung im Raum Halle, Schwerin und Leipzig, besonders gesund dagegen in Stuttgart, Kempten und Ulm. "Dabei zeigt sich der wesentliche Einfluss von Bildung und Einkommen auf Gesundheitschancen," erklärt der Herausgeber des Buches, Uwe Repschläger, Leiter für Unternehmensstrategie und Controlling bei der BARMER GEK. Mit Abwanderung von besser verdienenden und gebildeten Bevölkerungsgruppen habe sich auch eine Gesundheitsmigration vollzogen.

Die östlichen Regionen führen die Morbiditätsstatistik zwar in den meisten, nicht aber in allen Krankheitsgruppen an. So zeigen sich bei Depressionserkrankungen die höchsten dokumentierten Krankheitslasten in den Stadtstaaten und in Bayern. Der Osten ist dabei unterdurchschnittlich vertreten. Dieser Befund spiegelt sich in der räumlichen Verteilung von Psychotherapeuten wider. "Mit der Zahl der Psychotherapeuten steigt naturgemäß die Zahl der Depressionsdiagnosen", so Repschläger. Dementsprechend liegt die Psychotherapeutendichte in den Stadtstaaten bis zu 150 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, im gesamten Osten rund 50 Prozent darunter.

Eine weitere Analyse des Sammelbandes beschäftigt sich detailliert mit Krankenhausinfektionen und multiresistenten Erregern. Die Daten der BARMER GEK zeigen eine Verdopplung der Krankenhausfälle mit resistenten Erregern zwischen 2006 und 2009. "Das Wachstum verzeichnen wir aber vor allem bei Infizierten, die keine Symptome zeigen", erklärt Ursula Marschall, Leiterin des Kompetenzzentrums Medizin der Barmer GEK. Die Zahl der Keimträger, die tatsächlich erkranken, sei dagegen rückläufig.

Insgesamt sei die Novellierung des Infektionsschutzgesetzes zu begrüßen, allerdings müsse man die Keimverbreitung auch in anderen Gesundheitssektoren verfolgen. "Multiresistente Keime beschränken sich nicht allein auf Krankenhäuser. Wir müssen sektorübergreifend auf die Weiterbehandlung infizierter Patienten achten." So hat sich etwa die Zahl der stationär behandelten Keimträger, die in ein Pflegeheim entlassen wurden, binnen vier Jahren verdreifacht.

Der Sammelband "Gesundheitswesen aktuell 2011" vereint insgesamt 14 Beiträge von Fachleuten, darunter auch von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und IQWiG-Chef Prof. Jürgen Windeler.

Sortierung
  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Jetzt einloggen