Fehlverhalten von Ärzten im Zusammenhang mit Organspenden wird nach Ansicht des Transplantationsexperten Helmut Arbogast durch ökonomischen Druck begünstigt. "Der wirtschaftliche Druck, der von den Controlern auf die Ärzte ausgeübt wird, ist mitunter immens", sagte der designierte Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Helmut Arbogast, der Tageszeitung "taz". "Ich kann mir vorstellen, dass es unter diesem Druck dann auch den einen oder anderen Arzt gibt, der unethisch handelt." Die 48 Transplantationskliniken müssten bereits zu Jahresanfang verbindliche Prognosen für die Zahl ihrer Transplantationen treffen. Erfüllten sie diese nicht, habe das Auswirkungen auf Stellenpläne und Geldzuteilungen, mitunter sogar auf die Existenz der Transplantationszentren. "Wir Ärzte werden durch pekuniäre Zwänge dazu ermutigt, nicht unbedingt die für den Patienten bestmögliche Therapie auszuwählen, sondern eine preiswerte. Oder eine, die eine lukrative Fallpauschale verspricht", erklärte Arbogast. Der Leiter des Transplantationszentrums an der Technischen Universität München, Uwe Heemann, argumentierte, dass auch der Mangel an Organen die Ärzte in Interessenskonflikte bringe. Solange dieser existiere, werde "jeder Arzt versuchen, dass der eigene Patient ein Organ bekommt".
DSO in der Kritik
Derweil gerät im Organspende-Skandal auch die Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in die Kritik. "Auch die DSO muss sich einer kritischen Überprüfung unterziehen", sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Ihre Strukturen müssen weiter verbessert werden." Die DSO ist als Koordinierungsstelle verantwortlich für die Organisation der Entnahme und Konservierung von Organen sowie für deren Transport. Günter Kirste, der medizinische Vorstand der DSO, sieht die Stiftung jedoch nicht von dem Skandal betroffen. "Betroffen sind die Transplantationszentren, die unter Aufsicht der Länder stehen", sagte er der Zeitung. Kirste wies darauf hin, dass es per Gesetz eine Trennung zwischen Organspende, Verteilung und Transplantation gebe. "Am Ende muss eben viel mehr kontrolliert werden, als es bisher geschehen ist."



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