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Bayerischen LandesärztekammerUmstrittener Ärztefunktionär gestorben

Der langjährige deutsche Ärztefunktionär Hans Joachim Sewering ist im Alter von 94 Jahren in seiner Heimatstadt Dachau gestorben.

Sewering war wegen seiner Nazi-Vergangenheit umstritten, wies aber alle Vorwürfe stets zurück. Der Internist und Lungenarzt starb bereits am vergangenen Freitag, sein Tod wurde aber von der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) und seinen Angehörigen erst am Dienstag in München mitgeteilt.

Sewering war von 1973 bis 1978 Präsident der Bundesärztekammer. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns leitete er von 1972 bis 1992, die bayerische Landesärztekammer sogar von 1955 bis 1991. Auch im Weltärztebund engagierte er sich.

Sewering war in der Nazizeit Mitglied von SS und NSDAP. Als Arzt in der Tuberkulose-Heilanstalt in Schönbrunn bei Dachau soll er ab 1942 an dem Euthanasie-Programm beteiligt gewesen sein, in dessen Rahmen behinderte Kinder ermordet wurden. Nach Informationen des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem überwies er in den Kriegsjahren mehrere geistig behinderte Patienten aus Schönbrunn in die Nervenheilanstalt Eglfing-Haar bei München. Drei von ihnen wurden dort von Nazi-Ärzten ermordet.

Sewering behauptete jedoch, von den Tötungen nichts gewusst zu haben. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn wurden eingestellt.

Trotz seiner NS-Vergangenheit wurde Sewering nach dem Krieg Honorarprofessor und mit der Ehrendoktorwürde der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität München ausgezeichnet. Die Bundesrepublik ehrte ihn mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband, der Freistaat Bayern mit dem Verdienstorden und der Verfassungsmedaille in Gold.

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