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GBAAusschuss fordert Zugeständnisse der Pharmaindustrie

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA), der für den Leistungskatalog der Kassen zuständig ist, fordert neue Wege bei der Ermittlung der Arzneimittelpreise von Nischenprodukten.

Gerade die Arzneimittelpreise für Spezialmedikamente seien in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen, sagte Thomas Müller vom Gemeinsamen Bundesausschuss am Mittwoch auf der Handelsblatt-Tagung "Pharma 2010". In den vergangenen Tagen hat die Diskussion über die Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimittel durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und die Zusatzbeiträge die einige Krankenkassen von gesetzlich Versicherten verlangen, Bewegung in das deutsche Gesundheitssystems gebracht.

Für die Pharmakonzerne geht es um Milliarden - und für den Beitragszahler um die Bezahlbarkeit eines Systems, das schon jetzt mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes verschlingt. Von den Urteilen des IQWiG hängt maßgeblich ab, ob die Arzneimittel und Behandlungsweisen als Kassenleistung erstattet werden oder nicht. Für den Leistungskatalog der Krankenkassen ist der Gemeinsame Bundesausschuss (GA) zuständig, dessen Entscheidungen die Empfehlungen des IGWiG zugrundeliegen.

Seit 2004 untersucht das IQWiG, ob die oft teuren Medikamente tatsächlich einen Nutzen haben. Andernfalls können sie aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen gestrichen werden. Nach Vorwürfen wegen der Anschaffung von Dienstwagen muss Deutschlands oberster Pharmakontrolleur Peter T. Sawicki Ende August 2010 seinen Posten räumen. Die Instituts-Träger versicherten, an kritischen Pharmakontrollen festhalten zu wollen. Die Pharmaindustrie forderten dagegen Ende Januar einen Neuanfang.

FALLENDE PREISE IN DER PHARMABRANCHE ERWARTET

Auch der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim rechnet bereits mit fallenden Preisen für Medikamente. "Während das Bruttoinlandsprodukt um fünf Prozent geschrumpft ist, sind die Gesundheitsausgaben gestiegen. Da müssen alle Beteiligten einen Beitrag leisten, auch die Pharmaindustrie", sagte der Sprecher der Unternehmensleitung, Andreas Barner, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch).

Zur Preisfindung regte der Manager einen "sachlich orientierten Kompromiss" an. "Neue Wege müsste man in der Vertragsgestaltung mit den Krankenkassen und bei der Kosten-Nutzen-Bewertung gehen", sagte Barner. Man solle nicht nur auf die Arznei selbst schauen, sondern auch auf die "gesamte Wirkung einer Behandlung auf das Gesundheitssystem, also beispielsweise, ob ein Medikament dabei hilft, Krankenhaus- oder Pflegekosten einzusparen".

Neue, zielgerichteten Medikamente treiben auch die Kosten einer Krebstherapie in die Höhe. Bei monatlichen Ausgaben von 4.000 Euro und mehr pro Wirkstoff kommen in einem Jahr mitunter zwischen 40.000 und 100.000 Euro zusammen.

MEHR WETTBEWERB

Es gehe auch darum, über mehr Wettbewerb die Verträge zwischen Krankenkassen und Pharmaherstellern zu gestalten, sagte auch der Vorsitzende der Geschäftsführung der Boehringer Ingelheim Deutschland GmbH Engelbert J. Günster auf der Handelsblatt-Tagung.

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