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Talanx macht ernstDrittgrößter Versicherungskonzern will im Herbst an die Börse

Deutschlands Nummer drei unter den Versicherungskonzernen, die Talanx AG aus Hannover, will noch in diesem Herbst den Schritt aufs Börsenparkett wagen.

Angestrebt werde eine Erstnotierung an der Frankfurter Wertpapierbörse, teilte der Konzern mit Marken wie HDI und HDI-Gerling nach einem Vorstandsbeschluss am Montag mit. Die Niedersachsen setzen damit den Schlusspunkt unter eine jahrelange Wartezeit mit mehrfachen Verschiebungen. "Das Marktumfeld hat sich verbessert", sagte Talanx-Chef Herbert Haas. Der Börsengang an sich ist keine Überraschung. Bereits seit 1997 hatte der Vorstand den Sprung aufs Parkett immer wieder in Aussicht gestellt, aber über viele Jahre nie einen konkreten Zeitplan genannt. Als Grund für die Vorsicht galt zuletzt vor allem die schwierige Lage an den Kapitalmärkten infolge der Banken- und Euro-Schuldenkrise.

"Wenn die Rahmenbedingungen weiterhin stabil bleiben, wollen wir noch im Herbst an die Börse gehen", bekräftigte Haas nun. Er hatte dies bisher durchaus im Jahr 2012 für möglich gehalten, Spekulationen über einen genauen Ablaufplan indes nie bestätigt. Auch jetzt blieb der Vorstand einen konkreten Termin schuldig, ebenso die Zahl der auszugebenden Aktien und den erhofften Emissionserlös. Fest steht nur, dass alle Aktien für den Börsengang aus einer Kapitalerhöhung stammen sollen. In diesem Zuge will auch der japanische Lebensversicherer Meiji Yasuda Life eine bestehende Wandelanleihe mit einem Volumen von 300 Millionen Euro in Talanx-Aktien eintauschen. Früheren Berichten zufolge sollen beim Börsengang insgesamt mindestens 750 Millionen Euro in die Kasse fließen.

Nur Private Krankenversicherung fehlt
Damit dürfte Talanx an der Börse auf einen Schlag zu einer wichtigen Marke werden: Schon im März hatte Haas sein Unternehmen als Kandidaten für den MDax eingestuft. Auch an der regionalen Börse in Hannover wollen die Niedersachsen ihre Papiere platzieren. Für den Börsengang hat Talanx ein Bankenkonsortium unter der Führung von Citigroup, Deutscher Bank und JPMorgan engagiert. Zu Talanx gehören neben den Marken HDI und HDI-Gerling auch die PB Versicherungen der Postbank und die Targo Versicherungen sowie weitere Versicherer in Polen und anderen Ländern. Außerdem hält Talanx die Mehrheit am weltweit drittgrößten Rückversicherer Hannover Rück, der selbst im MDax notiert ist. Talanx selbst ist vor allem in der Industrieversicherung aktiv, versichert aber auch viele Privatkunden. Konkurrenten sind unter anderem der deutsche Marktführer Allianz, der Düsseldorfer Ergo-Konzern und Generali Deutschland aus Köln. Von den großen Versicherungssparten fehlt im Talanx-Angebot einzig die private Krankenversicherung.

Beim bevorstehenden Börsengang werde die Gruppe die Vorstellungen des Eigentümers im Blick haben, versprach Haas. Bisher gehört Talanx vollständig dem HDI, einem sogenannten Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VaG). Dieser soll auch nach einem Börsengang die Mehrheit an der Talanx AG behalten. Haas begründete die konkrete Marschroute auch mit dem guten Geschäftsergebnis des ersten Halbjahres. Zwischen Januar und Juni legte der Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 65 Prozent auf 354 Millionen Euro zu. Nachdem 2011 die Tsunami-Katastrophe und Erdbeben in Neuseeland die Rückversicherungssparte schwer belastet hatten, reichten die Beitragseinnahmen nun wieder aus, um die Kosten für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken. "Für das Gesamtjahr sind wir weiter sehr zuversichtlich", hatte Haas Mitte August gesagt.

Expansion im Ausland
Die Hannoveraner expandieren derzeit im Ausland - zuletzt durch Beteiligungen und Übernahmen etwa in Japan oder Polen. In Deutschland fährt Talanx in der Sparte Privat- und Firmenkunden dagegen einen harten Sparkurs. Bis 2015 sollen in dem Bereich bundesweit 730 von rund 5600 Jobs abgebaut werden. Dies soll aber "stufenweise und sozialverträglich" gelingen - etwa über Altersteilzeit, auslaufende Stellen oder Vorruhestandsregelungen. Betriebsbedingte Kündigungen schloss Talanx für die nächsten drei Jahre aus. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Kürzungen dennoch: Talanx habe gut verdient.

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