Die Koalition will Ärztenetze stärken, so wie das unter anderem der Bruder von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) gewünscht hatte. Die mögliche Stärkung von Gesundheitsverbünden ist das Ziel eines Änderungsantrags zum Ärztegesetz, das im Gesundheitsressort erstellt wurde und derzeit im parlamentarischen Verfahren ist.
Dies ist nach einem Bericht der "Tageszeitung/taz" auch ein Teilerfolg des Bruders des Ministers, Thomas Bahr. Dieser war bereits beim damaligen Ressortchef Philipp Rösler (FDP) vorstellig geworden, um über Praxisnetze zu sprechen, wie er 2010 der "Amberger Zeitung" gesagt hatte. Thomas Bahr ist Geschäftsführer der Gesundheit Oberpfalz Mitte GmbH (UGOM), zu dem sich über 80 Haus- und Fachärzte sowie Kliniken und ein Gesundheitszentrum zusammengeschlossen haben.
Patienten sollen durch die Verbünde reibungsloser versorgt werden. Geld soll gespart werden. Minister Bahr hatte sich bereits im Sommer für mehr Spielräume für die Regionen unter anderem zur Etablierung von Ärztenetzen ausgesprochen.
Doch sind die Netze bisher nicht mit normalen Kassenarztpraxen gleichgestellt. Ihr Verband "Agentur deutscher Ärztenetze" - Vertreter von 400 Arztnetzen - will regionale Versorgungsaufträge über die Kassenärztlichen Vereinigungen erreichen. Thomas Bahr, der in den 90er Jahren auch Referent des damaligen FDP-Gesundheitsexperten im Bundestag, Jürgen Möllemann, war, gehört dem Verbandsvorstand an.
Mit der geplanten Regelung, die von den Koalitionsfraktionen ausgegangen sei, sollten die Kassenarzt-Vereinigungen entscheiden können, ob und wie sie Praxisnetze fördern, teilte das Bundesgesundheitsministerium laut "taz" mit. Der Minister habe mit seinem Bruder nicht über derzeit beratene Änderungen an dem Gesetzentwurf gesprochen. Die "Agentur deutscher Arztnetze" bewertete die geplante Änderung laut "Deutschem Ärzteblatt" als großen Erfolg. CDU-Experte Jens Spahn hatte der "Ärzte Zeitung" eine "noch besseren Zusammenarbeit niedergelassener Ärzte" als Ziel der Änderung genannt.
Die SPD-Expertin Carola Reimann forderte Transparenz bei Neuregelungen für Ärztenetze, die in einer Region dominieren könnten. "Sonst ist der Patient so einem Netz unter Umständen hilflos ausgeliefert", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa.
SPD und Grüne warfen Minister Bahr Fixierung auf Ärzte. Insgesamt verteile er mit dem Ärztegesetz "Klientelgeschenke an die letzten verbliebenen FDP-Wähler", sagte Fraktionsvize Fritz Kuhn der dpa. "Das Gesundheitssystem ist für Schwarz-Gelb ein Ärztesystem." Reimann sagte: "Der Arzt wird ins Zentrum der ganzen Überlegungen gestellt." Andere Gesundheitsberufe müssten stärker einbezogen werden.
Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery meint, das Gesetz könne Ärztemangel auf dem Land nicht beenden. "Es wird eine Hilfe sein, aber es wird nicht ausreichen", sagte er der "Passauer Neuen Presse".


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