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Entscheidung nahtMehr Ärzte gegen den Mangel?

Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Hessens Ressortchef Stefan Grüttner (CDU), erläutert, was die Gesundheitsminster auf einem Sondertreffen am Mittwoch erreichen wollen.

Bis zu 20.000 Ärzte fehlen in den kommenden Jahren geschätzt in den ländlichen Gebieten Deutschlands. Schon heute ist der Weg zum nächsten Arzt für viele Patienten weit. Vor allem für Ältere wird das zum immer größeren Problem. An diesem Mittwoch soll ein Sondertreffen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern nach monatelangen Verhandlungen eine Lösung bringen.

Wie groß ist das Problem des Ärztemangels?

Grüttner: "Das ist regional unterschiedlich. Global können wir nicht von einem Ärztemangel sprechen. Doch in vielen ländlichen Gebieten kommt es bereits zu Engpässen bei der hausärztlichen Versorgung. Das wird sich verschärfen. Es gibt mehr ausscheidende als nachrückende Hausärzte. Nach allen Prognosen werden die Lücken bei Haus- und Fachärzten größer. Deshalb müssen wir an vielen Stellen ansetzen, etwa bei Arbeitsbedingungen, Notdiensten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie einer flexibleren Bedarfsplanung bei den Ärzten."

Die Länder wollen vor allem mehr Einfluss in den entscheidenden Landesausschüssen von Ärzten und Krankenkassen, um besser Abhilfe schaffen zu können, wenn in einem Gebiet Ärzte fehlen. Dagegen sträubte sich der Bund. Beißen sich die Länder hier die Zähne aus?

Grüttner: "Es sind intensive Verhandlungen. Das Problem ist aber auch im Bund bekannt. Deshalb hat Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler immer davon gesprochen, dass regionale Besonderheiten berücksichtigt werden sollten. Die Frage war immer, wie die Länder ihre Belange einbringen können. Die letzten Gespräche werden bei der Sonder-Gesundheitsministerkonferenz zu führen sein. Es gibt Anzeichen, dass unsere Bedürfnisse ausreichend berücksichtigt werden. Das Grundgesetz weist den Ländern Aufgaben bei der Daseinsvorsorge zu."

Bekommen die Länder, wie gefordert, Sitz und Stimme in den Landesausschüssen?

Grüttner: "Das wird von den Verhandlungen am 6. April abhängen. Es geht den Ländern nicht um Formalitäten, sondern um Verbindlichkeit hinsichtlich einer besseren Ärzteplanung. Die Gebiete, in denen Arztsitze geplant werden, müssen so gefasst werden, dass die defizitären Räume identifiziert werden. Die Länder müssen in die Lage versetzt werden, die Landesausschüsse dazu zu bringen, sich einer Mangelsituation in der Ärzteplanung anzunehmen."

Können sie die Sorgen der Krankenkassen verstehen, dass die Länder am Ende mehr Ärzte für ihre Regionen bestellen könnten und die Kassen zu zahlen haben?

Grüttner: "Diese Position ist nachvollziehbar und gehört diskutiert. Sie spielt im Hinblick auf die Sonder-Gesundheitsministerkonferenz eine Rolle. Ich bin zuversichtlich, dass wir einen Weg finden, die Einflussnahme der Länder so zu gestalten, dass die Ängste der Kassen unbegründet sind. Wir verlieren die Beitragszahler nicht aus dem Auge. Wir werden verantwortungsbewusst damit umgehen."

Wird es auf mehr Geld für Ärzte hinauslaufen?

Grüttner: "Das lässt sich noch nicht abschließend beurteilen. Es kommt darauf an, wie die Versorgungsräume gestaltet werden, ob mit Abhilfe in unterversorgten Gebieten etwa auch eine Sperrung von Bezirken mit ausreichend Ärzten in einer kleinräumigeren regionalen Planung einhergeht. Es ist nicht allein eine finanzielle Frage. Auch die Kommunen sind in der Verantwortung, Anreize für Ärzte zu schaffen, die es für die Kassen nicht teurerer machen müssen."

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