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BundestagNeue Organspende-Regelung in Sicht

Eine neue Regelung zur Organspendebereitschaft zeichnet sich ab. Geklärt wird die Frage, wie die Bürger zu einer Entscheidung bewegt werden sollen.

Das Problem ist bekannt: In Deutschland fehlen tausende Spenderorgane. Passiert ist jedoch jahrelang nichts. Das soll sich nun ändern. Noch in diesem Jahr werde im Bundestag ein neues Transplantationsgesetz beschlossen, zeigt sich Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) zuversichtlich. Auch andere Politiker sind optimistisch. Zur Debatte stehen eine Entscheidungs- oder Widerspruchslösung.

Jährlich warten mehr als 12 000 Menschen in Deutschland auf ein Organ - etwa ein Viertel von ihnen geht allerdings leer aus. Es ist ein Kampf gegen die Zeit, denn für viele kommt Hilfe zu spät. Jedes Jahr sterben bundesweit etwa 1000 Patienten während der Wartezeit.

Experten und Politiker machen die mehr als 13 Jahre alte Zustimmungsregelung für die Misere verantwortlich. Danach muss jeder, der Organe spenden will, das schon zu Lebzeiten mit einem Spenderausweis dokumentieren. Anderenfalls entscheiden die Verwandten. Die lehnen jedoch häufig im Moment der Todesnachricht eine Spende ab.

Nach Angaben des Deutschen Instituts für Organtransplantation (DSO) haben nur 17 Prozent der Bürger einen Ausweis, obwohl etwa 70 Prozent einer Organentnahme zustimmen würden. Das führe dazu, dass infrage kommende Spenden oft nicht wahrgenommen würden, sagt der Chef der Koordinierungsstelle, Günter Kirste.

"Wer sich mit Organspenden auseinandersetzt, muss auch über den eigenen Tod nachdenken. Das tut nicht jeder gern", sagt Kauder, der ein Vorreiter für mehr Organspenden. Der überzeugte Christ gibt zu bedenken: "Mein Tod eröffnet anderen eine Chance."

Diese Ansicht beruhigt indes nicht jeden. Viele haben Angst, dass sich Ärzte im Zweifelsfall nicht für den Patienten, sondern für dessen Organe entscheiden. Diese Sorgen halten sich trotz jahrelanger Aufklärungskampagnen.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach glaubt, dass diese allein sowieso nur wenig Wirkung zeigen. "Wenn ich über etwas informiert werde, interessiert es nur, wenn eine persönliche Entscheidung ansteht." Auch Kauder betont: "Nun muss die Politik handeln - und wir tun dies."

Für beide Politiker soll es auf eine Entscheidungslösung hinauslaufen. Dabei wird jeder Bürger mindestens einmal in seinem Leben nach einer späteren Organspende gefragt. Auch FDP und Grüne signalisieren Zustimmung. Zu den erklärten Unterstützern zählt auch SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Er spendete seiner Frau 2010 eine Niere und lenkte so große Aufmerksamkeit auf das Thema.

Zwar gibt es auch viele Befürworter der sogenannten Widerspruchslösung, bei der jeder als Spender gilt, solange er nicht widerspricht. Einige Bundesländer wie Hessen und Bayern setzen auf diese Regelung, die schon seit Jahren in EU-Staaten wie Spanien und Österreich gilt. Diese Lösung schüre jedoch die Ängste in der Bevölkerung unnötig, glaubt Lauterbach.

Ein Beschluss soll noch bis Jahresende gefasst werden. "Ich glaube wir haben einen breiten Konsens unter den Abgeordneten", sagt Lauterbach. Die Parteien seien darum bemüht, das Thema aus jedem Parteienstreit heraushalten. "Das ist keine Entscheidung der Fraktion, sondern eine Gewissensfrage jedes einzelnen Abgeordneten."

DSO-Vorstand Kirste kritisiert, dass die Politik das Thema zu lange vernachlässigt hat. "Erst seitdem es eine EU-Direktive gibt, scheint diese Dringlichkeit angekommen zu sein." Danach muss bis Mitte 2012 ein neues Transplantationsgesetz verabschiedet sein. "Dass alle nun so alarmiert tun, kommt mir etwas scheinheilig vor."

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