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Pandemie-ManagementSachverständigenkommission fordert klaren Strategiewechsel

Die Sachverständigenkommission des BMG fordert einen Strategiewechsel in der Corona-Politik. Das Hauptaugenmerk sollte auf die vulnerablen Gruppen der Gesellschaft sowie die kritische Infrastruktur des Gesundheitswesens gelegt werden.

Coronavirus
Halfpoint/stock.adobe.com

Symbolfoto

Vor der Bundesrats-Abstimmung über die Corona-Regeln für den Herbst hat die Sachverständigenkommission des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), zu der unter anderen der Virologe Prof. Klaus Stöhr gehört, einen Strategiewechsel gefordert. Natürliche Infektionen und Impfungen hätten zu einer „breiten Immunität“ in der Bevölkerung geführt, heißt es in dem Papier, das die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene am 15. September 2022 veröffentlichte. Die Politik müsse einen „klaren Strategiewechsel mit Fokussierung auf den Schutz vulnerabler Gruppen einleiten und dabei gleichzeitig die Funktionsfähigkeit der Kritischen Infrastruktur und des Gesundheitswesens sicherstellen“. Zuerst hatte die „Welt“ über die Stellungnahme berichtet.

Als Autoren werden etwa auch der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), Prof. Tobias Tenenbaum, und der Medizinstatistiker Prof. Gerd Antes genannt. Konkret fordert die Gruppe unter anderem, die Impfpflicht für Bedienstete im Gesundheitswesen aufzuheben, da diese keinen Schutz vor Infektiosität biete. Die Funktionsfähigkeit der kritischen Infrastruktur und des Gesundheitswesens solle „durch Wegfall nicht verhältnismäßiger und nicht begründbarer d. h. nicht mehr zeitgemäßer Isolierungsanordnungen gesunder Infizierter“ sichergestellt werden. Anlasslose Routinetestungen und eine Maskenpflicht in Schulen seien „ohne Indikation abzulehnen“.

Strategiewechsel überfällig

Der Wechsel hin zu einer „Folgenminderungs-Strategie“ sei weiterhin überfällig. Andere Länder praktizierten dies bereits erfolgreich. „In Deutschland hingegen dominieren in den zentralen Stellungnahmen immer noch die Konzepte und Einschätzungen der ersten Phase des Containments“ mit dem Ziel der Vermeidung jeder Infektion. „Zwar ist vielerorts in der Praxis bereits ein Strategiewechsel erfolgt. Dieser aber wird weder transparent begründet noch offen kommuniziert.“

Die Autoren kritisieren: „Die aktuelle ministerielle Kommunikation zum Pandemiemanagement ist nicht nur erratisch, sprunghaft und Angst erzeugend, sondern überbetont noch nicht ausreichend erforschte Konsequenzen einer COVID 19 Infektion wie Demenz, Hirnschäden und Long Covid als Langzeitschäden.“

Der Bundesrat stimmt am 16. September über die vom Bundestag bereits beschlossenen neuen Corona-Regeln für den Herbst und Winter ab. Zu den zentralen Bestimmungen, die vom 1. Oktober bis 7. April 2023 gelten sollen, zählen Maskenpflichten in Fernzügen, Kliniken und Arztpraxen. Die Länder können auch in Restaurants und anderen Innenräumen wieder das Tragen von Masken vorgeben. In Flugzeugen soll diese Pflicht entfallen. Lockdowns, Betriebs- oder Schulschließungen soll es nicht mehr geben.

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