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Dax-Aufnahme in SichtSiemens Healthineers auf Wachstumskurs nach Varian-Übernahme

Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers befindet sich wieder auf Wachstumskurs. An der Börse eilt die Aktie von Rekord zu Rekord. Im September könnte schließlich die Aufnahme in den Dax anstehen.

Unternehmenszentrale Siemens Healthineers Erlangen
Siemens Healthineers

Die 2018 eröffnete Unternehmenszentrale von Siemens Healthineers in Erlangen.

Siemens Healthineers Konzernchef Bernd Montag hat derzeit allen Grund zufrieden zu sein. Nach einer Corona-Delle im vergangenen Jahr befindet sich das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs. Die Geschäfte laufen dabei besser als gedacht - so hat Healthineers in diesem Jahr bereits dreimal seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr 2020/21 (per Ende September) erhöht, zuletzt Ende Juli. Dabei profitiert das Unternehmen von einem außergewöhnlich guten Geschäft seiner Diagnostik-Sparte - dank der hohen Nachfrage nach Corona-Schnelltests überwiegend in Europa.

Im dritten Geschäftsquartal legte Healthineers daher stark zu und erlöste rund 5 Milliarden Euro, 51 Prozent mehr als im schwachen Vorjahresquartal, als die Corona-Krise das Geschäft belastet hatte. Erstmals trug auch die im April abgeschlossene Übernahme des US-Krebsspezialisten Varian dazu bei. Auf vergleichbarer Basis lag das Plus bei knapp 39 Prozent. Die Diagnostiksparte ragte dabei heraus und konnte ihre Erlöse nahezu verdoppeln. Das Geschäft mit Antigen-Schnelltests dürfte jedoch seinen Höhepunkt erreicht haben, sagte Finanzvorstand Jochen Schmitz jüngst. Im letzten Viertel des Geschäftsjahres sei mit einer deutlichen Abschwächung zu rechnen, dazu komme ein erheblicher Preisverfall bei den Tests.

Varian soll das Wachstum ankurbeln während Atellica noch hinkt

Große Erwartungen setzt Healthineers in Varian, die teuerste Übernahme der Firmengeschichte soll das Wachstum weiter ankurbeln. Der US-Krebsspezialist werde seine bereinigte Umsatzrendite deutlich steigern, sagte Schmitz. Dabei helfen sollen neben Umsatzsteigerungen auch Synergieeffekte. Diese dürften bis zum Geschäftsjahr 2024/25 über den derzeit avisierten 300 Millionen Euro liegen, so der Finanzvorstand jüngst in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung". Er deutete zudem für den Mitte November geplanten Kapitalmarkttag höhere mittelfristige Ziele an.

Ein wenig in den Hintergrund gerückt ist hingegen der Hochlauf des neuen Laborsystems Atellica, bei dem es bereits vor Beginn der Corona-Pandemie geknirscht hatte. Dies hat sich nicht geändert. In dem Interview merkte Schmitz an, dass Healthineers bei der Zahl der installierten Geräte um rund zehn Prozent hinter den 2019 formulierten Zielen hinterherhinke. Grund dafür sei die Pandemie, die die Kliniken und Labore stark belaste. Dadurch könnte sich das Erreichen der mittelfristigen Umsatz- und Ergebnisziele um „zwei bis vier Quartale" verzögern.

Sieben von neun Experten empfehlen die Aktie zum Kauf

Marktexperten sind Healthineers gegenüber derzeit positiv gestimmt und empfehlen die Aktie zum Kauf. Die Geschäfte des Unternehmen seien in einem guten Zustand, befindet etwa Deutsche-Bank-Analyst Falko Friedrichs. Die großflächige Bildgebung befinde sich bereits wieder über dem Niveau von vor der Corona-Krise, das Unternehmen gewinne hier Marktanteile hinzu.

Bei den Experten war der Quartalsbericht gut angekommen - viele Analysten erhöhten in der Folge ihre Kursziele. Von den neun nach den Zahlen von dpa-AFX erfassten Experten empfehlen sieben das Papier zum Kauf und zwei haben eine neutrale Haltung. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 58 Euro allerdings leicht unter dem aktuellen Rekordniveau von etwas mehr als 60 Euro - nur die Deutsche Bank und HSBC liegen mit 64 Euro und 65 Euro darüber.

Die Umsätze seien in beiden Sparten (Diagnostik und Bildgebung) außergewöhnlich gewesen, schrieb JPMorgan-Analyst David Adlington. Die Margen seien zwar zugleich geringer ausgefallen als erwartet, aber es sehe so aus, als sei das nur vorübergehend. Als Stärken stuft er die gesunde Entwicklung der Bildgebung und die synergieträchtige Übernahme von Varian ein.

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