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kma 6/2025Schutzschild für den Ernstfall

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine richtet sich der Blick verstärkt auf die Frage, wie Kliniken auch in bewaffneten Konfliktszenarien handlungsfähig bleiben. Berlin hat nun einen Rahmenplan vorgelegt, wie Versorgungskapazitäten im Kriegsfall gesichert werden können. Auch Bund und Länder entwickeln Konzepte für mehr Resilienz.

Thieme Group

Wie krisenfest ist das deutsche Gesundheitswesen? Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die Verwundbarkeit ziviler Infrastrukturen offengelegt – auch die der Krankenhäuser. Fachleute warnen: Deutschland ist auf hybride Bedrohungen, Cyberattacken und einen möglichen NATO-Bündnisfall nicht ausreichend vorbereitet. Es fehlt an verbindlichen Vorgaben, Finanzierungsstrukturen und klaren Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern.

Während in Berlin mit dem neuen Rahmenplan „Zivile Verteidigung Krankenhäuser“ erstmals ein Bundesland versucht, die medizinische Versorgung systematisch auf Krisen- und Katastrophenlagen vorzubereiten, fordern Experten ein bundesweites Gesundheits­sicherstellungsgesetz. Krankenhausvertreter wie Marc Schreiner von der Berliner Krankenhausgesellschaft betonen, dass Krisenvorsorge künftig Teil jeder Planung werden muss – baulich, digital und personell.

Ein Blick nach Skandinavien zeigt, wie umfassende Krisenvorsorge funktionieren kann. Schweden und Finnland verfolgen eine „Gesamtverteidigung“, die Bevölkerung, Behörden, Wirtschaft und Militär eng verzahnt. Dort weiß schon heute ein Großteil der Bürger, welche Rolle sie im Ernstfall übernehmen würden. Deutschland steht dagegen erst am Anfang und muss seine Kliniken, Strukturen und die Bevölkerung dringend widerstandsfähiger machen.

Digitale Avantgarde in Brandenburg

Mit der Gründung der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem entsteht in Cottbus das erste vollständig digital geplante Universitätsklinikum Deutschlands. Das Haus wird Leitkrankenhaus der Modellregion Gesundheit Lausitz und vernetzt künftig Kliniken, Forschungseinrichtungen und den ambulanten Bereich über eine hybride Cloud-Infrastruktur. CIO Martin Peuker und sein Team treiben - zusammen mit Partnern aus der Industrie - das Projekt im Rekordtempo voran,.

Kliniken Köln schaffen den Turnaround

Nach Jahren hoher Defizite haben die Kliniken Köln die Wende geschafft. Mit dem Gesundheitscampus Merheim entsteht ein zentraler Standort, der medizinische Versorgung, Wirtschaftlichkeit und Arbeitsbedingungen zusammenführt. Neue Führung, Schuldenabbau und gezielte Investitionen sorgen für Aufbruchstimmung. Für kommunale Träger gilt das Kölner Modell als Beispiel, wie Restrukturierung und Modernisierung Hand in Hand gehen können.

Energiekrise im Blick – Kliniken als Stabilitätsanker

Krankenhäuser können künftig mehr als nur Notstrom bereitstellen: Ihre technischen Anlagen bergen enormes Potenzial für die Netzstabilisierung. Fachleute fordern, Notstromsysteme und Blockheizkraftwerke für die Bereitstellung von Regelenergie zu ertüchtigen. So könnten Kliniken aktiv zur Energiewende beitragen und gleichzeitig eine zusätzliche Einnahmequelle erschließen.

Disaster Nursing – Pflege in der Katastrophe

Katastrophenpflege wird zur Pflichtaufgabe. Pflegekräfte sind im Krisenfall unverzichtbar, werden aber bisher kaum systematisch eingebunden. Das DRK-Kompetenzzentrum Pflege im Bevölkerungsschutz und das Ausbildungsprojekt MODINA schließen diese Lücke und schaffen verbindliche Standards für die Vorbereitung auf Krisen- und Katastrophenlagen. Ein Thema, das künftig auch Krankenhausleitungen stärker betrifft.

Anna Herrschelmann
Executive Editor

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Lutz Benecke
Head of Advertising
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