DGIV e.V.

Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e.V. (DGIV) ist ein deutschlandweit agierender Verein mit der Zielsetzung, die Integrierte Versorgung in der medizi-nischen, pflegerischen und sozialen Betreuung als Regelfall durchzusetzen. Die DGIV wurde am 26. September 2003 in Berlin gegründet. Ziel der Gründungsmitglieder war es, die Integrierte Versorgung als alternative Versorgungsform zur damaligen Regelversorgung zu entwickeln und letztendlich durchzusetzen.

Bund-Länder-Kommission

Zwischen Hoffnung und Optimismus

Zur Integrierten Versorgung lässt der Koalitionsvertrag überraschend viele Fragen offen. Eine von der Gesundheitsministerkonferenz initiierte Reformkommission soll Vorschläge in wichtigen Versorgungsbereichen erarbeiten. Schnelle Lösungen sind dabei nicht zu erwarten.

Regierungsgebäude

Fotolia / draghicich

Die DGIV setzt sich dafür ein, bereits während der Tätigkeit der „Bund-Länder-Kommission sektorenübergreifende Versorgung“ an gesetzgeberischen Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen zu arbeiten.

Der Koalitionsvertrag hat bereits einiges an positiver Resonanz gefunden. Die Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen e. V. (DGIV) begrüßt unter anderem, dass die Vertragspartner die Telematikinfrastruktur weiter ausbauen, eine elektronische Patientenakte für alle Versicherten in dieser Legislaturperiode einführen, neue Zulassungswege für digitale Anwendungen schaffen, die Interoperabilität herstellen und die digitale Sicherheit im Gesundheitswesen stärken wollen. Eine Staatsministerin für Digitalisierung soll jetzt wichtige Koordinierungsaufgaben aus dem Bundeskanzleramt heraus übernehmen. Kurze Wege zur Bundeskanzlerin dürften damit gesichert sein; es ist wichtig, dass die Digitalisierung Chefsache bleibt.

Keine konkreten Lösungen zur -sektorenübergreifenden Versorgung Zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit der Fächer, Disziplinen und Sektoren sucht man im Regierungsprogramm vergeblich nach konkreten Inhalten. Es ist bekannt, wo im Schnittstellenbereich von ambulant und stationär die Baustellen liegen. Jetzt sieht es so aus, dass wir bis mindestens 2021 abwarten müssen, bis die gesetzlichen Rahmenbedingungen in diesem zur Steigerung von Effizienz und Effektivität im deutschen Gesundheitswesen wichtigsten Bereich verbessert werden. Tatsächlich wurde im Koalitionsvertrag die sektorenübergreifende Versorgung auf die lange Bank geschoben.

Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll Verbesserungsvorschläge unterbreiten

Bis Ende 2019 soll eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe dieses Schwerpunktthema behandeln und Verbesserungsvorschläge unterbreiten. Es ist bedauerlich, dass sich die Koalitionspartner – immerhin nach einer bereits vorangegangenen Legislaturperiode als Regierungskoalition – hier noch nicht zur Formulierung konkreter Absichten für eine weitere Gesundheitsreform in der Lage sehen. Es ist ja nicht so, dass keine richtigen Vorschläge auf dem Tisch lägen.

Was zu erreichen ist, ist eigentlich klar, zum Beispiel eben auch einheitliche Ordnungsrahmen in den Schnittstellenbereichen der Sektoren. Es geht aber, wie immer in den letzten Jahren, jetzt wieder um die Konsentierung des „Wie“. Hier ist man bisher zu oft gescheitert. Das Ergebnis war eine Politik der zu kleinen Schritte. Auch der Innovationsfonds wird aus heutiger Sicht wohl zu wenige versorgungsrelevante Innovationen in die Regelversorgung überführen. Gesundheitsreform braucht klare Zielvorgaben Die DGIV setzt sich dafür ein, die Tätigkeit der Arbeitsgruppe nicht dem Selbstlauf zu überlassen.

Der Koalitionsvertrag formuliert für diese Arbeit schlagwortartige Vorgaben. Dieses Gremium braucht aber eine sehr konkret ausformulierte Aufgabenstellung mit klaren Zielvorgaben, damit die von sehr unterschiedlichen Interessenslagen begleiteten äußerst anspruchsvollen Themen in diesem Komplex nicht zerredet werden. Der Vorstand der DGIV hat sich bereits darauf verständigt, diese Arbeit sachlich, kritisch und konstruktiv zu unterstützen.

Regierung wird an ihren Ansprüchen gemessen

Eine mit der Einsetzung der Arbeitsgruppe verbundene Botschaft der Verhandlungspartner ist wohl so zu verstehen, dass man von den kleinen Entwicklungsschritten auf dem Gebiet der sektorenübergreifenden Versorgung wegkommen will. Ein solcher, neuer Anspruch ist richtig und wurde auch von der DGIV wiederholt geltend gemacht.

Richtig ist aber auch, dass derartige, mit viel Vorlauf geplante umfangreiche Vorhaben Erwartungen aufbauen, an denen sich eine Regierung dann auch messen lassen muss. Jahrelangen Stillstand vermeiden Keinesfalls sollte bei alldem der derzeit festzustellende Stillstand in der Weiterentwicklung integrierender Versorgungsstrukturen bis nach 2020 anhalten. Der Koalitionsvertrag formuliert, dass die Zusammenarbeit und Vernetzung im Gesundheitswesen ausgebaut und verstärkt werden müsse und die Koalitionsparteien für eine sektorenübergreifende Versorgung weitere nachhaltige Schritte einleiten wollen.

Möglicherweise werden wir uns also dennoch auf eine Phase der Stagnation in der Entwicklung der Versorgungsstrukturen einstellen müssen. Hoffen wir, dass danach der große Wurf umso überzeugender gelingt.

  • Schlagwörter:
  • Reformkommission
  • DGIV
  • Versorgung