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Interview mit Markus Mord, Geschäftsführer Marienhospital StuttgartDigitalisierung der Pathologie: In Partnerschaften geht es besser

kma Klinik Management aktuell im Gespräch mit Philips: Vor knapp einem Jahr haben das Marienhospital Stuttgart und Philips einen Partnerschaftsvertrag unterzeichnet, um die Spitzenmedizin am Standort auszubauen und eine ganzheitliche Patientenversorgung sicherzustellen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Digitalisierung der Pathologie.

Marienhospital Stuttgart

Interview mit Markus Mord, Geschäftsführer Marienhospital Stuttgart

Philips

Philips steht als strategischer Partner bei der Aufstellung einer IT- und Digitalisierungsstrategie zur Seite.

Philips

Digitalisierung in der Pathologie bildet die Basis für den Ausbau von Befundungsnetzwerken und etabliert die Anwendung KI-gestützter Methoden und Deep Learning.

Herr Mord, was war für Sie als Geschäftsführer der Hauptgrund für eine strategische Partnerschaft?

Ich bin davon überzeugt, dass sich Krankenhäuser gegenüber Industrieunternehmen öffnen sollten, um enger vernetzt im Rahmen von Partnerschaften zu agieren und gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen des Gesundheitswesens zu finden. Als Geschäftsführer eines Krankenhauses sehe ich uns mit vielen Themen konfrontiert: Qualität, Wirtschaftlichkeit, Patienten- und Arbeitssicherheit. Die finanziellen Mittel sind aber begrenzt und das Personalbudget ist knapp. Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft haben wir die Möglichkeit, verschiedene Aufgaben zu teilen, die nicht zum eigentlichen medizinischen Auftrag unseres Hauses gehören. Ein wichtiger Teil der Vereinbarung waren von Anfang an Analyse, Planung, Bereitstellung und das Management von Medizintechnik. Jedoch haben wir im Planungsprozess ein ebenso großes Augenmerk auf die Optimierung von Strukturen und Prozessen sowie die Digitalisierung und Vernetzung innerhalb des Hauses gelegt.
 

Die Kooperation ist komplex. Wo sehen Sie für Ihre Einrichtung den größten Nutzen?

Den Nutzen sehe ich klar in der Summe aller Teile. Neben Kostenreduktion bei der Beschaffung, Planungssicherheit und neuen Technologien mit entsprechenden Finanzierungsmodellen haben wir bereits in den ersten Gesprächen mit Philips über den Tellerrand geschaut. Dabei haben wir für das Marienhospital verschiedene Projekte im Rahmen einer Innovationsstrategie identifiziert und setzen diese innerhalb der kommenden Jahre um. Einen wesentlichen Part hatte von Beginn an die IT. Als ein strategisches und erlösrelevantes Thema braucht es Mut zur Veränderung und viel Kompetenz für eine Transformation in diesem Segment. So gesehen ist es notwendig, ein Partnerunternehmen an der Seite zu haben, das die aktuellen Behandlungsstrukturen und -pfade analysiert, relevante Handlungsfelder identifiziert und uns dabei unterstützt, die richtigen Schwerpunkte zu setzen. Unser Ziel ist es, moderne Systeme und Geräte zu integrieren, die die klinische IT ergänzen, reibungslose medizinische Prozessabläufe und Datensicherheit gewährleisten und die Interoperabilität weiterentwickeln.

Als erstes großes Digitalisierungsprojekt haben wir im Juni die digitale Pathologie implementiert. Nun folgen weitere Schritte in der Vernetzung und Datenanalyse, zum Beispiel in der Anbindung weiterer Abteilungen wie Radiologie, OP, Innere Medizin und Chirurgie. Zukünftig wollen wir in der Lage sein, den gesamten onkologischen Behandlungs- und Therapiepfad abzubilden. Es ist wichtig, dass vernetzte Abläufe, auch über Schnittstellen und Sektorengrenzen hinaus funktionieren. Durch diesen integrierten Ansatz erzielen wir auch eine Standardisierung, die uns befähigt bestimmte Abläufe und Prozesse zu rationalisieren. Letztlich kommt dies auch der Sicherheit unsrer Patienten zu Gute und die Mitarbeiter werden entlastet.
 

Die Digitale Pathologie ist der erste große Meilenstein. Warum gerade dieser Bereich?

Die Digitalisierung der Pathologie erfährt insgesamt bislang einen verhältnismäßig niedrigen Grad an Digitalisierung – ist aber ein unvermeidlicher Bestandteil der Weiterentwicklung des Fachgebietes und der Wissenschaftsdisziplin. Etwa 70 Prozent der Entscheidungen, die das Leben von Patientinnen und Patienten betreffen, beinhalten eine Laboruntersuchung oder einen histopathologischen Befund. Wir sehen daher in der digitalen Pathologie eine wichtige Basis für die Bildung und den Ausbau von Befundnetzwerken etwa zur Lastenverteilung und Zweitbefundung. Weitere wesentliche Möglichkeiten werden uns zukünftig KI-gestützte Methoden und Deep Learning bringen. Sie liefern zum Beispiel bei der Erkennung von Tumoren Informationen darüber, ob das untersuchte Gewebe frei von Krebszellen ist. Auch Vorhersagen für Behandlungsoptionen in Teilbereichen sind heute bereits möglich. Außerdem helfen diese Technologien bei der Erstellung von Prognosen, wie zur Aggressivität eines Krebses oder unterstützen den Arzt beim Erkennen von Brustkrebs-Metastasen. Im Ausland ist KI in der Pathologie bereits seit Jahren erfolgreich im klinischen Routineeinsatz. Das Marienhospital möchte als eines der ersten Häuser in Deutschland nachziehen. Inzwischen entwickelt das Projekt eine ordentliche Strahlkraft und andere Krankenhäuser sprechen uns darauf an.
 

Was gehen Sie als nächstes an?

Zu Beginn der Partnerschaft haben wir den Ist-Zustand und das Entwicklungspotenzial der Notfallmedizin vor dem Hintergrund eines holistischen Versorgungsansatzes bewertet. Teil der Beurteilung waren die aktuellen Arbeitsbedingungen des Personals, die Patientensicherheit, die Prozesse und die technische Ausstattung. Unsere Erkenntnisse werden in eine bauliche Neuplanung und Konzeption einfließen, die zu einem ganzheitlichen, prozessorientierten Betriebskonzept, vordefinierten Pfaden und einer patientenorientierten interdisziplinären Notfallversorgung führen werden.
 

Was möchten Sie sagen können, wenn Sie in zehn Jahren zurückblicken?

Natürlich möchte ich sagen können: Alles richtig gemacht, wir verlängern um weitere zehn Jahre. Aber wie in einer Ehe wird es auch mal Phasen geben, die vielleicht nicht ganz so harmonisch laufen. Wenn es einmal hakt, muss man den Mut haben auf die sich ändernden Bedingungen zu reagieren und die Ziele flexibel anzupassen. Dazu gehört auch mal die Courage „Nein“ zu sagen und eine klare Grenze zu ziehen, zum Beispiel, wenn es darum geht, die Ressourcen im Blick zu behalten. Ich blicke gespannt auf die kommenden Jahre des sich gemeinsam Weiterentwickelns. Letztlich muss man sich bei jeder Entscheidung treu bleiben und sich an seinen für sich gesetzten Werten orientieren. Für das Marienhospital heißt das: Medizin leben. Mensch sein.
 

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