Mit einer gewissen Zeitverzögerung sei das an der Professur für Facility Management gemeinsam mit Partnern aus der Industrie, Wissenschaft, Verbänden und Krankenhäusern ermittelte Verständnis für die komplexen Prozesse auf den unterschiedlichen Ebenen des FM unverzichtbare Entscheidungsgrundlage, um die Weichen für das Facility Management in Gesundheitseinrichtungen richtig zu stellen, meint Kai Janisch, wissenschaftlicher Mitarbeiter des OPIK Projekts. Die FM-Kosten schlagen mit rund 30 Prozent an den Gesamtkosten eines Krankenhauses zu Buche. Einsparungen ohne Einbußen bei der Ergebnisqualität seien hier wie in allen anderen Bereichen des Krankenhauses überlebenswichtig. Im Rahmen eines OPIK-Tags zogen die Wissenschaftler nun gemeinsam mit Experten aus dem Krankenhausbereich und mit Unterstützung der Fachvereinigung Krankenhaustechnik e.V. (FKT), die das Projekt mit aus der Taufe gehoben hat, Bilanz über die Ergebnisse der letzten 12 Jahre.
Ein optimales Krankenhaus-Layout
Daniel Blöchle von der Professur Facility Management präsentierte im Rahmen des OPIK-Tages seine Forschungsarbeit zur wissenschaftlich fundierten Krankenhausplanung, insbesondere zur Layoutbewertung von Krankenhausentwürfen. Durch einen mathematischen Ansatz wird es erstmals möglich, Ärzte und Pflegekräfte aktiv und strukturiert in die Krankenhausplanung mit einzubeziehen. Mit Hilfe des Wissens der Ärzte, der Pflegekräfte und des behandelten DRG-Portfolios lassen sich für jedes Krankenhaus individuelle Entfernungen zwischen Fachabteilungen und Funktionsstellen definieren. Das ist die Grundlage für ein zukunftsfähiges Betriebsorganisationskonzept.
Sie wurden für eine transparente produktorientierte Darstellung der FM-Prozesse und ein Aufdecken beachtlicher Optimierungspotenziale genutzt. In einem ersten Schritt sei dazu vor allem ein Vergleich mit anderen Häusern notwendig, so Kai Janisch. In der OPIK Benchmarkingrunde würden Daten zu relevanten Facility Management Leistungen erhoben und in Workshops diskutiert. Durch den direkten Austausch mit anderen Technikverantwortlichen sei eine zielgerichtetere und tiefer gehende Interpretation der Ergebnisse möglich als bei einem anonymen Benchmarking. Zusätzlich seien diese Benchmarkingrunden zur persönlichen Netzwerkbildung sehr hilfreich, betonte Michael Molz, Dezernent für Technik- und Gebäudemanagement im Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt. Bei der Umsetzung von Optimierungspotentialen sei ein leistungsfähiges Flächenmanagement unverzichtbar, ergänzte Thomas Küsters, Leiter der Abteilung Facility Management bei der Klinikum Region Hannover GmbH (KRH), in einem Vortrag. In einem zweijährigen Kooperationsprojekt begleitete Daniel Blöchle, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Karlsruher Professur Facility Management bei der KRH die Einführung eines solchen Flächenmanagements. „Im Ergebnis werden durch das neue System jährlich über 1,8 Millionen Euro eingespart”, berichtet Küsters.
Weiterforschen
Funktionalität und Anpassungsfähigkeit seien für die Krankenhäuser der Zukunft unverzichtbare Eigenschaften, prognostizierte Projektleiter Kunibert Lennerts.
Als weitere wichtige Ansatzpunkte für die wissenschaftliche Erforschung des FM identifizierten die Teilnehmer des OPIK-Tags die Sicherstellung der Betreiberverantwortung bei zunehmend knappen Budgets. Sie wünschen sich unter anderem eine wissenschaftlich fundierte Linie bei der Aufstellung von Instandhaltungsstrategien. Auch objektivierbare Bewertungsmaßstäbe für das Vergeben oder Selbermachen von FM-Leistungen würden ihnen die Arbeit erleichtern. Last but not least sollte auch das Thema Ausbildung der Technikmanager im Krankenhaus mit in die Analyse des Aufgabengebiets FM einbezogen werden. Dass es die Technikverantwortlichen im Krankenhaus mehr und mehr mit Budgetplanungen und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zu tun haben und ihren Aufgabenbereich sinnvoll mit dem Management ihrer Häuser verzahnen müssen, sollte nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehre mehr Berücksichtigung finden, erklärten Praktiker wie FKT Past Präsident Reinfried Sure und der langjährige Technische Leiter des Universitätsklinikums Frankfurt, Rudolf Jäger. Seine Bilanz über die bisherige OPIK-Arbeit fällt positiv aus: „Die Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Erforschung des FM mit der Praxis zusammenzuführen und zu durchmischen, ist immer wieder spannend und führt zu beachtlichen Ergebnissen.” Vor allem Kostenrechner, Manager und auch das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus, sollten sich viel mehr für die aufschlussreichen Zahlen und die in dieser Form einzigartigen Erforschung des FM interessieren, meint Jäger.


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