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Ökologie und Ökonomie von NetzersatzanlagenMit Notstromaggregaten Geld verdienen

Betreiber von Netzersatzanlagen können mit ihren eigentlich nur zur Absicherung bei einem Stromausfall gedachten Aggregaten neuerdings gutes Geld verdienen und so Betriebskosten senken oder sogar die Anschaffung amortisieren. Ganz einfach, indem sie ihre Stromaggregate in der Regelenergie vermarkten, mit dem Ziel bei Frequenzabweichungen das Netz zu stabilisieren.

Die Betreiber gehen damit kein Risiko ein, betont Tobias Bertler, Vertriebsmanager Onsite Energy/dezentrale Energieversorgung bei einem namhaften deutschen Hersteller von Großdieselmotoren. Sie müssen nicht befürchten im Fall eines Stromausfalls nicht auf ihre Aggregate zurückgreifen zu können. Während eines Regelleistungsabrufs befindet sich das Notstromaggregat im Netzparallelbetrieb. Sollte währenddessen ein Netzausfall eintreten, trennt der Netzkuppelschalter am Netzanschlusspunkt das öffentliche Stromnetz vom innerbetrieblichen Stromnetz. Die Netzersatzanlage erkennt den Netzausfall, bleibt auf Last und schaltet augenblicklich in den Inselbetrieb, sodass die Verbraucher des Betriebes weiterhin zuverlässig mit Strom versorgt werden. Der originäre Grund der Sicherheitsstromversorgung stehe in dem neuen Vermarktungskonzept immer im Vordergrund, versichert Bertler. Auch Wartungsarbeiten und der vorgeschriebene monatliche Probebetrieb lassen sich trotz der Stromvermarktung problemlos realisieren. Strom ins Netz einspeisen können alle Betreiber von Notstromaggregaten, wenn diese entsprechend für den Netzparallelbetrieb zugelassen sind.

Die Energiewende schafft neue Märkte
Auf der jüngsten Fortbildungsveranstaltung der FKT-Regionalgruppe Berlin-Brandenburg beantwortete Bertler den Teilnehmern zwei zentrale Fragen, die ihnen zu ihren Dieselmotoren unter den Nägeln brannten: Müssen die Betreiber von Notstromaggregaten, nicht zuletzt durch die zunehmende Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die schädliche Wirkung von Dieselabgasen, mit strengeren Forderungen in Bezug auf Abgaswerte und entsprechende Maßnahmen zur Abgasnachbehandlung rechnen? Welche Anforderungen und Chancen erwachsen ihnen aus der Energiewende?

Die Chancen sind in diesem Beitrag schon vorweggenommen. Sie bestehen darin, mit Notstromaggregaten Geld zu verdienen. Durch das schrittweise Herunterfahren der konventionellen Großkraftwerke und den Ausbau der dezentralen, erneuerbaren Energieerzeuger wird es schwieriger das deutsche Stromnetz auf einer konstanten Frequenz von 50 Hertz zu halten. Bereits bei geringen Frequenzabweichungen muss der jeweilige Übertragungsnetzbetreiber mit Ausgleichsmaßnahmen reagieren, um das Netz zu stabilisieren. Eines der dafür vorgesehenen Instrumente ist der Einsatz von Regelleistung. Schnell zuschaltbare und regelbare Netzersatzanlagen eignen dazu hervorragend, meint Bertler. Die Anlagen werden dabei bereits für die reine Leistungsvorhaltung vergütet. Hinzu kommen die Erlöse für tatsächliche Abrufe, die für wenige Stunden im Jahr zur Systemstabilität beitragen. Zwar werden die Aggregate während dieser wenigen Laufstunden mit fossilem Dieselkraftstoff betrieben, durch den Einsatz in der Regelenergie leisten die Notstromaggregate aber einen Beitrag zur Netzstabilität und unterstützen so den Ausbau regenerativer Energiequellen und den Abbau von Atom- und Kohlekraftwerken.

Unklare Zukunft
Generell seien Notstromaggregate nicht die vorrangingen Sorgenkinder, wenn es um die Reinhaltung der Atemluft und den Klimawandelt geht. Immerhin laufen die meisten Netz-ersatzanlagen nur rund 12 Stunden jährlich im Rahmen des gesetzlich geforderten Probebetriebs. Dennoch sei in Zukunft ziemlich sicher mit strengeren Abgaswerten zu rechnen, mutmaßt Bertler. Eine Verschärfung der TA Luft sei bereits absehbar. Ob die bisherigen Ausnahmeregeln für Notstromaggregate weitergelten, ist noch unklar. Eine neue EU-Richtlinie für mittelgroße Feuerungsanlagen und Verbrennungsmotoren, die sogenannte MCP-Richtlinie, lässt ebenfalls strengere Grenzwerte erwarten. Ob die für 2017 geforderte nationale Umsetzung in deutsches Recht auch Notstromaggregate miteinschließen wird, und ob hier auch Bestandsanlagen erfasst werden, steht ebenfalls noch nicht fest.

Alternative Kraftstoffe
Derzeit sei Diesel beziehungsweise Heizöl als Kraftstoff für Notstromaggregate weitgehend alternativlos, erklärte Bertler. Die Industrie arbeite zwar an Lösungen, um zum Beispiel auch Gasaggregate in die Notstromversorgung zu integrieren, die Schnelligkeit und Flexibilität des Dieselmotors sei jedoch noch unerreicht. Probleme bereitet den Betreibern der heute übliche Bioanteil im Diesel. Der macht die Motoren aufgrund der Kraftstoffalterung störanfälliger. Zumindest für dieses Problem ist eine Lösung in Sicht: Neue raffinierte Kraftstoffe, die zu 100 Prozent aus Biomasse gewonnen werden, haben laut Bertler bessere Eigenschaften bezüglich der Lagerung und für die Motoren als die Dieselkraftstoffe mit Bioanteil.

Schwappt der VW-Skandal ins Krankenhaus?„Rußpartikelfilter, Biodiesel, VW-Skandal – Dieselmotoren sind in Verruf. Welche Auswirkungen hat das auf stationäre Dieselmotoren in unseren Krankenhäusern? Informationen, Strategien, Diskussion”, lautete vor diesem brandaktuellen Hintergrund die Agenda der jüngsten FKT-Tagung in Berlin-Brandenburg. Zu dieser Veranstaltung in der Charité waren zu Jahresbeginn nicht nur zahlreiche FKT-Mitglieder, sondern auch so mancher interessierte Gast gekommen. Die Tagung widmete sich der Fragestellung, inwieweit der medial sehr spektakulär daherkommende VW-Skandal Auswirkungen auf unsere Krankenhäuser hat. Hier sind inzwischen Stimmen laut geworden, die neben den bereits etablierten technischen Möglichkeiten zur Abgasreinigung für eine komplette Abschaffung von Antrieben auf Basis der Dieseltechnologie plädieren.

Keine Alternative in Sicht
Wohl wissend, dass unsere Notstromversorgung alternativlos zum Diesel ist, müssen uns solche Diskussionen zwangsläufig interessieren. Natürlich ist es nicht leicht, hierzu kompetente Referenten und Diskussionspartner zu finden. Es gelang mit Unterstützung eines Motorenherstellers, der mit einem Team von Entwicklungsingenieuren vom Bodensee in die Bundeshauptstadt gereist kam, um zu der komplexen Thematik Rede und Antwort zu stehen. Nach einer interessanten Einführung sowohl in die neueste Dieseltechnologie und vergleichend in die Turbinenantriebstechnik von Gasmotoren für den Generatorbetrieb wurde sehr lebhaft über alle derzeit auch öffentlich bekannt gewordenen Probleme diskutiert. Dabei wurde nichts ausgelassen, und auch die eigenen Möglichkeiten in ihrer Begrenzung wurden sehr offen und deutlich aufgezeigt.

Das Ziel, die Teilnehmer in die Lage zu versetzen, den besorgten verantwortlichen Krankenhausträgern Rede und Antwort stehen zu können, wurde erreicht. Trotzdem war die Veranstaltung, wie die Referenten versicherten, keine informative Einbahnstraße. Sprachen doch die Krankenhaustechniker viele Probleme aus ihrem Tätigkeitsfeld an, in dem sie sich – oft völlig auf sich allein gestellt – mit diesen komplexen Fragen des Maschinenbaus unmittelbar auseinandersetzen müssen.

Thomas Flügel

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