Krankenhaustechnik als Informationsdrehscheibe
Vor vielen Jahren wurde die Diskussion geführt, ob die Krankenhaustechniker die Facility Manager des Krankenhauses sind. Eine allgemein gültige Lösung hat man nicht gefunden. Facility Management hat viele Definitionen, die vom Leistungsportfolio her wohl umfassendste lautet: „Facility Management ist alles, was nicht Kerngeschäft ist”. Wendet man diesen Satz auf das Krankenhaus an, in dem man tätig ist, und versucht das „Kerngeschäft” des Krankenhauses für sich selbst zu definieren, stellt sich sofort die Frage ”Wer ist denn der Facility Manager im Krankenhaus? Der Verwaltungsdirektor, der Technische Leiter, beziehungsweise ist überhaupt jemand da, der diese Position wahrnimmt?” Blickt man auf die Krankenhaustechnik-Landschaft in Österreich, erkennt man, dass es nach wie vor keine einheitliche Antwort auf diese Frage gibt. In den vielen Krankenhausgruppen, die sich mittlerweile gebildet haben, wurde und wird das recht unterschiedlich organisiert.
Faktum aber ist, dass die Krankenhaustechnik immer ein wichtiger Teil des Gesamten darstellt und damit viele Schnittstellen zu anderen Bereichen bedienen muss.
Schnittstellen
Recherchiert man den Begriff Schnittstelle, so kommt man auf mannigfaltige Definitionen. Wikipedia beschreibt die vorliegende Situation sehr gut: „Die Schnittstelle (oder das Interface = Grenzfläche) ist der Teil eines Systems, der der Kommunikation dient”.
Für manchen Leser mag das vielleicht unrealistisch wirken, da der Begriff Schnittstelle oft mit Abgrenzung und Zementieren von Hierarchien verbunden ist. Selbst in der Krankenhaustechnik findet man noch diese Abgrenzungen zwischen den Bereichen Baumanagement, Haus- und Betriebstechnik und Medizintechnik. Hier sollte bei den Protagonisten schnell ein Umdenken stattfinden.
Die Veränderungsgeschwindigkeit im Gesundheitswesen nimmt zu. Vor allem in der Krankenhaustechnik werden die Technologiezyklen durch den Einzug der Informationstechnologie deutlich kürzer und beeinflussen zunehmend das Kerngeschäft. Projektumsetzungszeiten werden „optimiert”, und damit müssen in immer kürzeren Zeiteinheiten adäquate Informationen von immer professionelleren Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden. Die Fähigkeit zur Umsetzung der genannten Anforderungen wird mehr und mehr von Krankenhausmanagern als wichtige strategische Komponente für das Kerngeschäft erkannt. Wir Krankenhaustechniker sollten uns in diesem Zusammenhang als das präsentieren, was wir sind: ein professionell agierender Partner mit der Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und interdisziplinäre Projekte umzusetzen.
FM-Tools
Das Thema „FM-Tools: Möglichkeiten, Erfahrungen, Ideen” wurde am 27. Januar 2011 in Wien von den 30 Teilnehmern einer ÖVKT-Akademie Veranstaltung auf hohem Niveau diskutiert und durch Praxisberichte einzelner Vortragender abgerundet, wobei Informationsgewinn und Wissenssicherung ein Inhalt war. Die Diskussion über das FM-Tool hat gezeigt, welche wichtige Funktion die Krankenhaustechniker einnehmen und zukünftig vermehrt einnehmen sollten. Sie müssen noch stärker die Rolle als Informationsdrehscheibe und Kommunikationsschnittstelle zum Kerngeschäft wahrnehmen. Ein Bericht über diese Veranstaltung erscheint in der nächsten Ausgabe der kma.
Drei Fragen sollten helfen, den eigenen Status quo zu erheben:
- Ist ein Projektmanagement-Know-how (Ausbildung, Dokumentationswerkzeuge für komplexe Projekte, etc.) vorhanden?
- Wie sieht es mit den Fähigkeiten zur Kommunikation (Präsentationstechnik, Basiswissen über die Prozesse auch im Kerngeschäft, etc.) aus?
- Wie viel Zeit wird im Anlassfall für die erforderliche Datenerhebung (mühsames Zusammensuchen von wichtigen Informationen, statt diese auf „Knopfdruck“ bereit zu haben) benötigt?


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