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121. Deutscher ÄrztetagDer Weg für die digitalen Fernbehandlungen ist geebnet

Ärzte in Deutschland dürfen Patienten künftig auch ohne vorherigen persönlichen Kontakt in der Praxis ausschließlich per Telefon, SMS, E-Mail oder Online-Chat behandeln.

Bundesärztekammer/© Christian GriebelBundesärztekammer/ Christian Griebel

Der Deutsche Ärztetag tagt 2018 in Erfurt.

Der Deutsche Ärztetag machte am Donnerstag in Erfurt den Weg frei für eine ausschließliche Fernbehandlung durch in Deutschland ansässige Mediziner über digitale Medien. Die 250 Delegierten beschlossen nach kontroverser Debatte mit großer Mehrheit eine entsprechende Änderung der Musterberufsordnung für Ärzte. Die Entscheidung, die von den Landesärztekammern regional umgesetzt werden muss, war mit Spannung erwartet worden.

Fernbehandlung im Einzelfall möglich bei medizinischer Vertretbarkeit

Doch das Echo ist geteilt. Zustimmung kam von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Krankenkassen und Ärzteverbänden, kritisch äußerte sich die Stiftung Patientenschutz. „Das persönliche Arzt-Patienten-Verhältnis wird weiter das dominierende Element in der ärztlichen Behandlung bleiben”, versicherte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. Bislang waren Ärzten in Deutschland solche Fernbehandlungen nur nach einer persönlichen Untersuchung erlaubt.

Nach dem Beschluss des Ärztetages ist Medizinern nun „im Einzelfall” eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über digitale Medien möglich, wenn dies medizinisch vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt bei Diagnostik, Beratung, Therapie und Dokumentation gewährleistet wird. Außerdem müssen die Patienten von ihrem Arzt über die Online-Behandlung aufgeklärt werden. „Beide müssen wissen, was sie tun, und sich darüber einig sein”, sagte Montgomery.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mahnte, nun müssten die neuen Möglichkeiten auch so genutzt werden, „dass die Patienten auch wirklich etwas davon haben”. Spahn zeigte sich überzeugt, dass mit Online-Sprechstunden Patienten unnötige Wege und Wartezeiten erspart werden. „Damit helfen wir Ärzten und Patienten”, sagte er. Der Deutsche Hausärzteverband warnte indes davor, dass das neue Angebot „als Kostensparprogramm für Krankenkassen missverstanden” werden könne.

Ausländisches Angebot setzte Kammer unter Druck

Vor allem durch das zunehmende Angebot ausländischer kommerzieller Telemedizin-Portale hatte sich die Kammer unter Druck gesehen. Dass sie sich schon vor Jahren damit hätte beschäftigen sollen, räumte Montgomery am Donnerstag auf Anfrage ein: „Wir versuchen, die Zeit wieder aufzuholen, die dadurch vergangen ist.” Ärzte-Vizepräsident Max Kaplan betonte, dass die Neuregelung den Patienten eine gesicherte Behandlungsqualität und auch rechtliche Sicherheit biete. „Das können andere Internetportale nicht.”

Montgomery warnte vor überzogenen Erwartungen an eine ausschließliche Fernbehandlung. „Sie wird keinen chirurgischen Eingriff ersetzen und auch keine radiologische Untersuchung”, sagte er. „Die Kirche bleibt im Dorf.”

Bei der Entlastung der Klinik-Notaufnahmen könne sie hingegen hilfreich sein. Krankschreibungen und Rezeptverordnungen per Fernbehandlungen hält die Bundesärztekammer hingegen schon aus rechtlichen Gründen für problematisch. Der Hausärzteverband hält klare Regelungen für erforderlich, in welchen Fällen eine Fernbehandlung sinnvoll und möglich ist.

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