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Elektronische PatientenakteDigitalisierung ist kein Ruhmesblatt für Deutschland

Die KBV bezweifelt, dass der Pilotversuch ausreicht, um das ambitionierte Digitalprojekt zum Erfolg zu führen. „Um den Start des E-Rezepts in ganz Deutschland zum Januar 2022 sicherzustellen, muss die Technik für alle verlässlich rechtzeitig verfügbar sein“, sagt KBV-Sprecher Stahl. Die Praxen müssten sich darauf verlassen können, dass die Technik ausgereift sei. Dabei hätte sich die KBV einen größeren Pilotversuch gewünscht.

Prof. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité, dagegen hält die Einführung des digitalen Workflows für überfällig: „Das E-Rezept in Deutschland bedeutet sicherlich einen wesentlichen Fortschritt. Aber der Fortschritt wäre natürlich noch besser gewesen, wenn er 2011 gekommen wäre und nicht erst 2021“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Wir müssen unbedingt das Bewusstsein dafür schaffen, dass eine umfassende Digitalisierung des Gesundheitswesens dringend notwendig ist.“

Ohne Digitalisierung keine Leistungen

Der Charité-Chef betonte, die Situation bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens sei „kein Ruhmesblatt für unser Land“. „Dabei helfen keine einseitigen Schuldzuweisungen“, es habe am Datenschutz gelegen oder Blockaden unterschiedlicher Parteien gegeben. „Viele Faktoren haben in der Summe dazu geführt, dass wir da sind, wo wir heute sind.“ Es müsse ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass eine umfassende Digitalisierung des Gesundheitswesens dringend notwendig sei. „Zum einen zwingt uns die demografische Entwicklung dazu: In den kommenden acht Jahren werden so viele Fachkräfte in der Medizin in den Ruhestand gehen, dass wir ohne eine konsequente Digitalisierung die Leistungen, die in Deutschland selbstverständlich sind, auf gar keinen Fall aufrechterhalten können. Wir können uns nicht mehr leisten, dauernd Doppeluntersuchungen zu machen.“

Kroemer verwies außerdem auf die „neue Konkurrenz, die über das Internet und Gesundheits-Gadgets virtuell mit am Tisch sitzt“. „Eine Apple Watch zum Beispiel kann mit einer Art EKG feststellen, ob ein Patient Vorhofflimmern, eine häufige Herzrhythmusstörung, hat oder nicht. An so einer Diagnose hängen bislang drei Arbeitsplätze in einem Krankenhaus wie der Charité: ein Arzt, eine Pflegekraft und eine Verwaltungskraft.“ Man werde Apple nicht unmittelbar Konkurrenz machen können. „Aber schon wenn wir mit solchen Anbietern im Sinne einer Systempartnerschaft zusammenarbeiten wollen würden, dann funktioniert das natürlich nur, wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen können.“ Das setze voraus, dass die Krankenhäuser weitestgehend digitalisiert sind, was oft noch nicht der Fall sei.

Der Ausgangspunkt an der Charité sei allerdings nicht schlecht, sagte Kroemer. „Wir sollten unsere digitalen Anstrengungen stark verbessern. Player wie Amazon und Apple verfügen ausschließlich über den digitalen Teil und haben die Hardware - im Sinne personell und apparativ ausgestatteter Krankenhäuser - nicht, über die wir wiederum verfügen.“ Der Schlüssel für zukünftigen Erfolg werde darin liegen, beide Aspekte zu verknüpfen. „Das heißt, wir haben durchaus die Möglichkeit, langfristig wettbewerbsfähig zu sein.“

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