In Ihrem Schwerpunkt „Radiologie 4.0“ wird es um das Thema KI, Künstliche Intelligenz, gehen. Was verstehen Sie darunter?
Das Wort „Künstliche Intelligenz“ ist in den zurückliegenden zwei bis drei Jahren ein häufig verwendetes Schlagwort geworden. Es steht letztlich für eine ziemlich heterogene Gruppe von Algorithmen, die in der Lage sind zu lernen. In der Radiologie setzen wir sehr viel Software ein. Bislang wird diese Software programmiert beziehungsweise modelliert: Wir müssen mathematische Formeln finden, um bestimmte Dinge zu beschreiben. Die KI-Algorithmen hingegen werden am Ergebnis trainiert.
Wir zeigen einem KI-Algorithmus zum Beispiel eine Mammografie und sagen ihm: Das ist ein Mammakarzinom, ein Brustkrebs. Den Vorgang wiederholen wir mit etwa 1000 Bildern. Dann hat dieser Algorithmus eigenständig gelernt, wie ein solches Mammakarzinom aussieht. Für viele mag das eine seltsame Vorstellung sein, funktioniert aber extrem gut. Der Erfolg von KI in der Radiologie hängt davon ab, wie valide die Daten sind, die vorliegen, um Algorithmen zu trainieren.
Im Moment haben wir die Situation, dass die großen Internetplayer wie Google, Amazon oder Apple zwar über Algorithmen verfügen, nicht aber über radiologische Daten. Deshalb wollen wir im Lauf des Kongresses auch herausfinden, was wir Radiologen beim Thema KI selbst entwickeln und auf den Weg bringen können.
Welche Rolle spielt der Datenschutz dabei?
Datenschutz ist insgesamt ein wichtiges Thema in Deutschland und Europa. Aber es gilt: Wir haben bei KI kein Datenschutzproblem, solange wir unsere radiologischen Daten nicht an Apple, Amazon oder Google verkaufen. Wenn eine radiologische Abteilung selbst Algorithmen trainiert, diese dann intelligent werden und ein Mammakarzinom erkennen können, sind am Ende gar keine Patientendaten mehr enthalten. Das Problem Datenschutz entfällt somit.
Was kommt auf die Radiologen mit dem Einsatz von KI zu? Müssen sie sich sehr umstellen?
Die Angst der Radiologen vor einer Abschaffung der Radiologie ist völlig irrational. Das Gegenteil ist der Fall: Wir werden noch besser. Wenn man ganz allgemein sagen würde, wir geben dem Radiologen Werkzeuge an die Hand, damit er besser und schneller wird, wäre Angst gar kein Thema. Nur weil man jetzt über Künstliche Intelligenz diskutiert, die ihn besser und schneller macht, fangen einige an zu zittern. Das ergibt natürlich keinen Sinn. Man kann KI in der Radiologie mit dem Autopiloten im Airbus vergleichen. Natürlich waren Piloten vor seiner Erfindung in Notsituationen stärker gefordert.


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