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100. Deutscher Röntgenkongress„Einen 100. Kongress gibt es wirklich nur einmal – da sollte man dabei sein!“

Wird sich das Arzt-Patienten-Verhältnis verändern, wenn solche Werkzeuge eingesetzt werden?

Das Arzt-Patienten-Verhältnis hat sich in der Radiologie durch die Einführung der Computer- oder der Magnetresonanztomografie auch nicht verändert. Im Gegenteil, vielleicht hat der Patient sogar mehr Vertrauen zu uns gewonnen, weil er merkt, dass wir schneller und besser geworden sind. Aber natürlich diskutiert man darüber: Wird Medizin unmenschlicher, wenn Computer die Diagnose übernehmen? Man muss sich aber auch die Frage stellen: Was wollen wir denn eigentlich als Patienten? Doch möglichst schnell eine richtige Diagnose.

Es hilft uns überhaupt nicht, wenn ein äußerst empathischer Arzt nach 48 Stunden Überlegen eine falsche Diagnose stellt. Dann kommt es natürlich auch darauf an, wie man dem Patienten erklärt, wie krank er ist oder dass er vielleicht auch gar nicht krank ist. Aber die Tatsache, dass wir schneller und besser in unserer Diagnose werden, wird das Arzt-Patienten-Verhältnis eigentlich nur verbessern können.

Wohin wird sich die Radiologie entwickeln?

Die diagnostischen Fächer müssen sich genau überlegen, wohin sie sich entwickeln wollen. Dazu zählen Radiologie, Nuklearmedizin, Pathologie und genau genommen auch alle Laborfächer sowie die Genetik. In diesen Fächern werden schnell viele Daten digital vorliegen. Da müssen wir uns fragen: Wie wollen wir in Zukunft kooperieren? Ich sage nicht, dass man die Fächergrenzen aufbrechen muss. Aber ich glaube schon, dass es Plattformen geben sollte, die alle Befunde so integrieren, dass man am Ende sehr individualisiert zu einer Diagnose kommt.

Das ist bei Tumoren heute fast schon üblich. Man macht Tumorboards, an denen nicht nur der Radiologe teilnimmt, sondern auch der Genetiker, der Pathologe und so weiter, weil es auf die Gesamtheit der Befunde ankommt. Und wir Radiologen sind eine große Berufsgruppe, wir könnten uns auf den Fahrersitz setzen, um eine Antwort zu finden auf die Frage: Wie erhalten wir eine Integration aller Befunde? Auch darüber werden wir auf dem 100. Röntgenkongress sprechen.

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