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100. Deutscher Röntgenkongress„Einen 100. Kongress gibt es wirklich nur einmal – da sollte man dabei sein!“

Trotzdem kann man sich ja nicht vorstellen, dass heute ein Flugzeug ohne Piloten aus Fleisch und Blut fliegt – auf den Plausibilitätscheck durch Menschenverstand möchte man nicht verzichten. So ähnlich wird es sich auch in der Radiologie verhalten. Man wird nicht alle Krankheiten mit KI diagnostizieren können, aber man wird mit KI in der Diagnostik besser werden und Krankheiten besser verstehen. Ich glaube, dass die sprechende Medizin durch KI ganz anders herausgefordert wird, weil in der sprechenden Medizin mehr Fehler möglich sind.

Wenn ein radiologisches Bild entsteht und einen Tumor in der Leber mit 3,5 Zentimetern Größe zeigt, dann wird es sich schon um einen Tumor von 3,5 Zentimetern Größe handeln. Die Tatsache, dass da ein Tumor ist, wird man nicht infrage stellen. Wenn jemand hingegen mit Rückenschmerzen zum Allgemeinarzt geht, ist es eher zweifelhaft, ob der Allgemeinarzt am Ende eine Depression diagnostiziert.

Das wird mit KI künftig sehr viel sicherer gehen. Es gibt bereits Algorithmen, die anhand einer Stimme analysieren können, ob jemand depressiv ist. Das ist auch gar nicht verwunderlich, weil ein guter Psychiater das auch macht. Also: Uns Radiologen wird es weiterhin geben.

Welche Anwendungen von intelligenter Software gibt es bereits im klinischen Alltag?

Es gibt ja in der Radiologie durchaus auch langweilige Tätigkeiten, zum Beispiel das Bestimmen des Knochenalters bei kindlichen Entwicklungsstörungen. Daran hat niemand wirklich Freude. Es gibt bereits Lizenzmodelle, mit deren Hilfe ein Computer das analysiert. Natürlich schaut man noch einmal darauf, um nicht etwa zu übersehen, dass die Hand gebrochen ist. Das kann dieser Algorithmus nämlich nicht erkennen.

Aber man muss nicht mehr dicke Bücher wälzen, um herauszufinden, wie alt der Knochen tatsächlich ist. Ähnliche Algorithmen gibt es auch schon für Schlaganfalldiagnostik und für die Mammografie. Das sind kommerzielle Produkte, für die die amerikanische Regulierungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) ein Standardverfahren (Standard Operating Procedure, kurz: SOP) entwickelt hat, mit dem man solche Softwarelösungen zulassen kann.

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