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EinschätzungGKV-Spitzenverband übt Kritik an Digitalen Gesundheitsanwendungen

Der GKV-Spitzenverband äußert sich kritisch zur aktuellen Entwicklung der im Herbst 2020 zugelassenen Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA). Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) stimmt mit ein.

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Seit Herbst 2020 stehen die ersten Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) flächendeckend als neue GKV-Leistung zur Verfügung. Sie bieten laut dem Spitzenverbrand der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) das Potenzial für eine Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung und Förderung der Prävention. Dennoch besteht bei vielen DiGAs noch Nachholbedarf. Deshalb haben Krankenkassen, der GKV‑Spitzenverband, Herstellerverbände und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in den zurückliegenden Monaten intensiv daran gearbeitet, einen entsprechenden Versorgungsprozess zu gestalten.

Zutage trat dabei, dass unter anderem die gesetzlichen Rahmenbedingungen der DiGA-Zulassung und -Vergütung noch unzureichend ausgestaltet sind.

In seinem Positionspapier beschreibt der GKV-Spitzenverband den Weiterentwicklungsbedarf bei den DiGAs. Gefordert werden unter anderem konkrete gesetzliche Änderungen, insbesondere in den Themenbereichen Nutzen, Patientensicherheit, Datensicherheit sowie Wirtschaftlichkeit.

Optimierungsbedarf in Nutzen, Wirtschaftlichkeit und Anwendung

DiGAs sollten nur dann zur Anwendung kommen, wenn ihr medizinischer Nutzen wissenschaftlich nachgewiesen sei, fordert der GKV-Spitzenverband. Hierbei sollten die Regeln der evidenzbasierten Medizin gelten. Den Experten zufolge müssen DiGAs im Vergleich zur vorhandenen Versorgung dabei einen mindestens gleich hohen Nutzen haben und nicht nur gegenüber der Nichtanwendung getestet werden. Auch Verfahrens- und Strukturverbesserungen sollten zukünftig zusätzlich bewertet werden, wenn der medizinische Nutzen gegenüber der bestehenden Versorgung mindestens gleichwertig ist.

Zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit fordert der GKV darüber hinaus, die freie Preisbildung der Hersteller für ein oder zwei Jahre abzuschaffen. Zudem müsse ein Höchstpreis-Modell etabliert werden, das verbindlich von Tag eins der Erstattung gilt. Gerade bei Erprobungs-DiGAs bestehe ein relevantes Insolvenzrisiko der Hersteller und somit ein Überzahlungsrisiko für die Kasse, wenn ein Erstattungsbetrag erst nach zwei Jahren verhandelt würde. Hier muss die Solidargemeinschaft der Beitragszahlenden geschützt werden.

Unerlässlich ist bei DiGAs die nutzerfreundliche Gestaltung, der mehr Aufmerksamkeit im Entwicklungsprozess geschenkt werden muss. Dazu gehört auch Nutzer und Nutzerinnen in Tests mit einzubinden und ihr Feedback einzuholen. Ebenso ist die Gewährleistung von barrierefreier Benutzung unerlässlich – die jedem Menschen, unabhängig seiner Fähigkeiten eine einfache Handhabung ermöglicht. Treten technische Probleme oder Fragen bei der Bedienung auf sollten gute DiGAs ihren Nutzern in Zukunft mit einem effektiven Support zur Seite stehen.

DPtV schließt sich GKV-Spitzenverband an

Die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) schließt sich der Kritik des GKV-Spitzenverbandes an. Die Vereinigung stimmt zu, dass ein „positiver Versorgungseffekt" nicht Maßgabe für eine Zulassung von Apps sein könne, sagt der Bundesvorsitzende Gebhard Hentschel. Eine App dürfte erst dann in das Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel aufgenommen werden, wenn sie einen wirksamen Nutzen hat. In die Kritik des GKV-Spitzenverbandes am Fast-Track-Verfahren stimmt der DPtV ebenso ein. Es kann nicht sein, dass DiGAs bisher „ohne jede Evidenz oder Versorgungseffekt vorläufig in das Verzeichnis aufgenommen werden können“. Wenn Studien erst nach der Zulassung nachgereicht werden, ist das ein falsches Signal, weshalb Henschel dafür plädiert, das Fast-Track-Verfahren für Gesundheits-Apps abzuschaffen.

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