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Führungskräfte skeptischGroße Hürden für den KI-Einsatz im Krankenhaus

Die Erwartungen sind hoch: Künstliche Intelligenz soll die Versorgungsqualität verbessern, die Klinikleitung unterstützen und das Personal entlasten. Trotzdem sind medizinische Führungskräfte noch sehr zurückhaltend. Ihre Gründe sind vielfältig.

Künstliche Intelligenz
Denisismagilov/stock.adobe.com

Symbolfoto

Chatbot-Apps übernehmen die Anamnese, Roboter assistieren bei komplexen OPs, und Blut- und Gewebeproben werden im Labor vollautomatisiert untersucht. Vom Einsatz intelligenter Systeme im Krankenhaus versprechen sich Experten große Vorteile – die medizinischen Führungskräfte allerdings sind längst nicht überzeugt. Einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC aus dem Jahr 2019 zufolge setzen erst 30 Prozent von ihnen auf Lösungen mit künstlicher Intelligenz (KI). Das Potenzial sei riesig, „doch bei der Integration von KI-Anwendungen in den medizinischen Alltag sind viele Führungskräfte zögerlich“, sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen bei PwC Deutschland. Die Gründe für die Zurückhaltung sind offenbar vielfältig.

Kliniken fehlt die Fachkompetenz

Viele Krankenhäusern etwa hätten keine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie mit konkreten Zielen, Projektschritten und einer Erfolgsmessung, betont Hendrik Reese, PwC-Experte für Künstliche Intelligenz. Zudem lasse die Datenqualität oft noch zu wünschen übrig: „In Krankenhäusern entsteht jeden Tag eine Fülle von Daten, die sich nur mit KI nutzenstiftend auswerten lassen. Dafür müssen die Daten jedoch qualitativ hochwertig, leicht verfügbar und nutzbar für KI Anwendungen sein. Das ist oftmals nicht der Fall.“

Zudem fehle die Fachkompetenz für KI im Großteil der deutschen Kliniken. Schwer falle den Häusern auch die Auswahl eines geeigneten Anbieters von intelligenten Systemen, und eine große Hürde liege nicht zuletzt in der IT-Landschaft der Krankenhäuser selbst: „Diese ist häufig historisch gewachsen“, sagt Jörg Asma, PwC-Experte für Cyber-Sicherheit: „Das erschwert die Integration neuer Technologien.“

Mangelnde Akzeptanz der Belegschaft

Oft stehe einem erfolgreichen KI-Anwendung auch die fehlende Akzeptanz der Belegschaft im Weg. „KI lässt sich nur dann erfolgreich einsetzen, wenn die Belegschaft hinter der Technologie steht. Daher ist es wichtig, die Akzeptanz zu fördern, indem die Beschäftigten frühzeitig in den Transformationsprozess eingebunden werden“, so Reese.

Hinzu kommen komplexe ethische und regulatorische Rahmenbedingungen für den KI-Einsatz. Jörg Asma beobachtet auch mangelndes Vertrauen in die Sicherheit: „Krankenhäuser arbeiten mit sensiblen Daten. Sie müssen das Vertrauen der Patienten deshalb durch ein hohes Maß an Informationssicherheit stärken.“ Bei der Planung von KI-Anwendungen müssten Compliance-Themen deshalb von Anfang an mitgedacht werden. Und nicht zuletzt erschwerten Fragen der Finanzierung den KI-Einsatz: Für viele Häuser sei es schwierig zu berechnen, welches Einsparpotenzial KI genau bietet.

„Antwort auf die großen Herausforderungen“

„Von den ersten Überlegungen bis zum reibungslosen Einsatz von KI im Versorgungsalltag ist es ein langer Weg. Damit diese Transformation gelingt, braucht es eine strategische Roadmap“, ist das Fazit von Hendrik Reese. Eine Risikoanalyse helfe zudem dabei, Gefahrenquellen zu identifizieren, Eintrittswahrscheinlichkeiten zu ermitteln und verschiedene Szenarien durchzuspielen.

Am Ende überwiegen jedoch die Vorteile, ist Michael Burkhart überzeugt: „KI kann dazu beitragen, eine hohe Versorgungsqualität zu gewährleisten und die steigenden Gesundheitsausgaben zu begrenzen.“ Insofern sei sie eine passende Antwort auf die großen Herausforderungen des Gesundheitswesens: den Fachkräftemangel, die wachsende Zahl chronischer Erkrankungen und den demografischen Wandel.

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