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Elektronischer Medikationsplan

Inspirationsquelle Dänemark

Manchmal genügt schon ein Blick ins Nachbarland, um neue Inspiration zu bekommen. Bei dem mittlerweile auch in Deutschland eingeführten, allerdings noch wenig geliebten elektronischen Medikationsplan hat Dänemark sein Lehrgeld schon gezahlt. Die Deutschen könnten einiges lernen.

Foto: Pixabay

Bei der Einführung von E-Health-Lösungen gilt Dänemark weltweit als Vorreiter. Was in Deutschland hakt, haben die Nachbarn im Norden oft längst angepackt. Während hierzulande vor der Einführung noch jahrelang über Datenschutz und -sicherheit für einen elektronischen Medikationsplan (eMP) diskutiert wurde, haben die Dänen in den vergangenen Jahren schon ein vergleichbares IT-Projekt für eine bessere Arzneimitteltherapiesicherheit realisiert.

Aus ihren Erfahrungen könne Deutschland viel lernen, schreibt Gisela Hostenkamp (damals an der University of Southern Denmark in Odense) in einem Artikel in der Fachzeitschrift Gesundheitsökonomie und Qualitäts­management – insbesondere wenn es um organisatorische Aspekte gehe. Darüber hinaus könne der Blick nach Dänemark helfen, das Effizienzpotenzial einer verbesserten Arzneimittelversorgungsqualität realistischer einzuschätzen.

Mehrwert für jeden einzelnen Patienten

Mithilfe des eMP sollen Medikations­fehler durch bessere Kommunikation und Koordinierung der Behandlung vermieden werden, um letztlich die Zahl teurer Kranken­hausaufenthalte sowie vor­zeitiger Todesfälle zu reduzieren. Zudem geht es darum, Bürokratie abzubauen und den Dokumentationsaufwand der Ärzte bei der Medikationsanamnese zu senken. Dazu werden alle Medikamente eines Patienten auf einer elektronischen Plattform gespeichert. Für die Einführung der Technologie formuliert Gisela Hostenkamp mit Blick auf die Erfahrungen in Dänemark vier Erfolgsfaktoren, die mindestens genauso wichtig seien wie einwandfreie technische Lösungen.

Als oberstes Prinzip für die Nutzung personenbezogener Gesundheitsdaten fordert Hostenkamp, dass der Einsatz die Behandlung eines Patienten unmittelbar verbessert. Durch den Datenaustausch dürften weder Patient noch Arzt langfristig Nachteile haben. Zudem sollte es keinen Zwang geben, am eMP teilzunehmen. Prozessverbesserungen müssten nachgelagerte Ziele sein.

Klare Zuständigkeiten und Pflichten

Um breite Akzeptanz zu schaffen, sollten Zuständigkeiten und die Kompetenzen von Haus- und Fachärzten, Apothekern sowie Krankenhaus- und Pflegepersonal klar definiert werden. Beispielsweise gelte es eindeutig zu klären, ob und wenn ja in welcher Form Verschreibungen anderer Ärzte verändert werden dürfen, beschreibt Hostenkamp. Das sei in Dänemark anfänglich vernachlässigt worden und habe besonders bei Klinikärzten zunächst zu Unsicherheit und Verstimmung geführt. Zudem gelte es rechtliche Fragen zu klären, etwa ob Ärzte den Medikationsplan verpflichtend nutzen müssen.

Statt das Erstellen und Aktualisieren des Medikationsplans gar nicht oder durch die Regelversorgung zu entlohnen, sollten Anreize für die Dokumentation geschaffen werden, die sich am tatsächlichen Patientennutzen orientieren – zum Beispiel an reduzierten Kosten für Krankenhausaufenthalte. Dazu müssen die Gesundheitseffekte allerdings genau evaluiert und gemessen werden.

Patienten einbinden

Da erfahrungsgemäß die Patienten selbst die meisten Medikationsfehler machen und Medikamente nicht wie verordnet einnehmen, müssen sie aktiv in die Behandlung einbezogen werden. Zur persönlichen Therapiehilfe könne der eMP aber nur werden, wenn das System sehr benutzerfreundlich sei – insbesondere für ältere Patienten, beschreibt Hostenkamp. Ziel sei letztlich ein aktives Therapie­treuemanagement, für das neben einer gesonderten Zustimmung der Patienten allerdings wohl auch noch eine weitere getrennte Anwendung z. B. in Form einer Applikation auf einer persönlichen Gesundheitsakte nötig sei.  

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