Georg Thieme Verlag KG

InterviewMobiles MRT-System überzeugt durch hohen Innovationsgrad

Wie bereits im Oktober 2020 berichtet, hat das Berliner Start-up DeepSpin den Zukunftspreis des Clubs der Gesundheitswirtschaft (cdgw) 2020 gewonnen. Im kma-Interview informieren die Gründer nun ausführlich über ihr MRT-System.

cdgw Zukunftspreis 2020
Florian Selig

DeepSpin-Gründer Clemens Tepel (links) und Pedro Freire Silva (rechts) mit dem Zukunftspreis Gesundheitswirtschaft.

Das Berliner Start-up DeepSpin hat sich beim Rennen um den Zukunftspreis des Clubs der Gesundheitswirtschaft (cdgw) 2020 durchgesetzt. Das Unternehmen will MRT für Mediziner universell nutzbar und für Patienten weltweit zugänglich machen. Im kma-Interview informieren die Gründer Clemens Tepel und Pedro Freire Silva über die Besonderheiten ihres MRT-Systems.

Herr Tepel, Herr Freire Silva, gemeinsam entwickeln Sie ein mobiles und leichtes MRT-System, das noch dazu besonders kostengünstig sein soll. Was steckt hinter der Technologie von DeepSpin? Wie funktioniert sie?

Clemens Tepel: Hinter der Technologie stecken zwei Innovationen: unsere neue Software basierend auf Künstlicher Intelligenz (KI) und unser spezielles Systemdesign basierend auf einer neuartigen Spulen- und Magnetenanordnung. Diese beiden Aspekte ermöglichen eine Verlagerung der technischen Komplexität von der Hardware in die Software. Während herkömmliche MRT-Systeme sehr komplexe und teure Hardware mit verhältnismäßig einfacher Software kombinieren, setzen wir auf eine simple und günstige Hardware mit einer ausgeklügelten KI-Software. Dadurch können wir MRT-Systeme mit einem Gewicht von weniger als 200 Kilogramm anstatt mehrerer Tonnen entwickeln, und das auf dem Preisniveau von Ultraschallsystemen.

Beim cdgw-Zukunftspreis haben Sie sich mit diesem technisch komplexen, ambitionierten Vorhaben durchgesetzt. Was macht Ihre Idee so überzeugend?

Pedro Freire Silva: Unsere Technologie überzeugt gerade durch ihren hohen Innovationsgrad. Es handelt sich eben nicht um eine minimale Verbesserung bestehender Systeme, die einzelne Prozesse ein bisschen effizienter, akkurater oder kostengünstiger macht, sondern um die Entwicklung einer grundlegend neuen Kategorie von MRT-Systemen. Wir wollen die medizinische Bildgebung revolutionieren – sowohl in wohlhabenden Industrieländern als auch in Entwicklungsländern mit geringeren finanziellen Mitteln.

Steht hinter der Gründung von DeepSpin also auch ein sozialer Anspruch?

Clemens Tepel: Absolut! Wir hätten unsere Technologie auch für die Anwendung in der Öl- & Gasindustrie entwickeln können, haben uns aber bewusst für das Gesundheitswesen entschieden. Denn genau dort sehen wir den größten gesellschaftlichen Nutzen. Auch Mitarbeiter und Investoren legen zunehmend Wert darauf, dass Unternehmen einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten. Unser sozialer Anspruch hilft also auch beim Gewinnen von Talenten und Investoren.

Welchen konkreten Nutzen hat Ihre Technologie für Ärzte und Patienten? Wie wird sie den Alltag in Kliniken verändern?

Clemens Tepel: MRT ist eine großartige Technologie mit vielen Vorteilen. Sie bietet einen hervorragenden Weichteilkontrast und eine hohe Patientensicherheit ohne Einsatz von krebserregender, ionisierender Strahlung. Allerdings ist MRT heutzutage mit hohen Kosten, hohem Aufwand und langen Wartezeiten verbunden. Unsere Technologie soll MRT so einfach und zugänglich machen wie modernen Ultraschall. Patienten müssten nicht mehr vom Orthopäden zum Radiologen und dann wieder zurück. Sie könnten einen MRT-Scan direkt beim Orthopäden erhalten und dieser könnte sofort Therapieentscheidungen treffen. Intensivpatienten, die an lebenserhaltenden Systemen angeschlossen sind, könnten einen MRT-Scan einfach am Krankenbett erhalten. Zudem wäre die Anwendung von MRT während einer OP möglich. Damit könnten zum Beispiel gezieltere Biopsien oder Resektionen durchgeführt werden. Mit unserer Technologie ist kein speziell abgeschirmter Raum für MRT mehr notwendig. Insgesamt könnten Outcomes verbessert und Kosten reduziert werden.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!