Georg Thieme Verlag KG
kma Online

NiedersachsenPositive Bilanz nach über einem Jahr Telenotarzt

Die Sanitäter sind schon vor Ort, der Notarzt aber (noch) nicht. In Goslar können Sanitäter deshalb den Notarzt mit der Handykamera zum Einsatzort schalten. Bald könnten alle Niedersachsen von dieser Möglichkeit profitieren.

Notarzt
AdobeStock/Felix Abraham

Symbolfoto

Etwa anderthalb Jahre nach dem Start eines Pilotprojektes zum Telenotarzt zieht der Landkreis Goslar ein positives Fazit. Seit dem Start im Januar 2021 bis Mitte Juli 2022 wurde das System bei insgesamt 2458 Einsätzen genutzt, wie der Landkreis mitteilte. Nun gebe es Überlegungen, das Angebot, bei dem ein Notarzt per Video-Streaming zu Rettungseinsätzen hinzugerufen wird, auf das gesamte Land Niedersachsen auszuweiten.

„Als Ressource wurde der Telenotarzt von den Notfallsanitätern im Landkreis Goslar schnell akzeptiert und regelmäßig genutzt“, sagte eine Sprecherin des Landkreises Goslar. Der Telenotarzt arbeite technisch und medizinisch zuverlässig. Seit dem Beginn wurde das Projekt auf die Landkreise Northeim und Hildesheim ausgeweitet. Auch aus anderen Bundesländern oder Staaten wie Australien und Polen gebe es Anfragen.

Im Jahr 2021 musste ein Einsatz des Systems in einem Prozent der Fälle wegen technischer Probleme abgebrochen werden. In rund zwei Prozent der Fälle wurde aus medizinischen Gründen ein Notarzt vor Ort hinzugerufen. In den übrigen Fällen konnte der gesamte Rettungseinsatz über den Telenotarzt durchgeführt werden.

Ob überhaupt auf den Notarzt aus der Handykamera zurückgegriffen wird, entscheiden die Notfallsanitäter vor Ort. Während des Einsatzes kommuniziert der Sanitäter dann mit dem Notarzt über eine App. Neben dem Telefonat und einem Video-Stream hat der Arzt auch Zugriff auf die Vitalwerte des Patienten.

Seit Jahren steige die Zahl der Rettungsdiensteinsätze, während Notärzte bei etwa der Hälfte der Einsätze nicht vor Ort sein müssten, teilte der Landkreis Goslar mit. Das System entlaste somit Notärzte, die auch aufgrund Personalmangels nicht immer rechtzeitig entlegene Einsatzstellen erreichen. Ein kompletter Verzicht auf Notärzte in bestimmten Fällen sei allerdings rechtlich schwierig. Die Abgabe von Schmerzmitteln etwa müsse ein Arzt entscheiden – das könne er aber auch über ein Videotelefonat, sagte die Landkreissprecherin. Darüber hinaus betonte sie, dass der Telenotarzt ohnehin nie komplett den Einsatz von Notärzten vor Ort ersetzen werde.

Bitte loggen Sie sich ein, um einen neuen Kommentar zu verfassen oder einen bestehenden Kommentar zu melden.

Jetzt einloggen

  • Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden. Schreiben Sie den ersten Kommentar!