Projekt MoreCare

Schnelle Dokumentation mittels Spracherkennung

Das Projekt MoreCare befindet sich im Feldversuch. Wissenschaftler gehen der Frage nach, wie sich der Therapieerfolg einer mobilen Reha mithilfe von Technologie verbessern lässt. Patienten und Therapeuten erhalten dazu ein Tablet mit modernster Spracherkennungstechnologie.

Tablet

Symbolbild

Es wird ernst. Nach anderthalb Jahren Vorbereitung ist am 1. Juli der Feldversuch des Projekts MoreCare gestartet. Das Projekt untersucht, wie der Einsatz von Technik die Kommunikation in der mobilen Reha unterstützt und dazu beiträgt, die Therapie insgesamt zu verbessern. Für eine mobile Reha kommen nur Patienten in Frage, die nicht in der Lage sind, das in der Reha-Klinik Erlernte zuhause anzuwenden. Diese Personen werden deshalb in den eigenen vier Wänden von einem interdisziplinären Therapeutenteam betreut. In der Regel handelt es sich bei den Patienten um alte Menschen mit extremen Einschränkungen wie beispielsweise einer Erblindung.

Der Feldversuch läuft bis Ende des Jahres. Bei den Teilnehmern handelt es sich um bis zu 20 Patienten des Evangelischen Krankenhauses Woltersdorf bei Berlin, die nacheinander ein Android-basiertes Tablet sowie Sensorarmband und Knöpfe zur einfacheren Bedienung zur Verfügung gestellt bekommen. Die Betreuung übernehmen jeweils ein Physio- und Ergotherapeut, sowie wahlweise ein Logopäde, Pflegetherapeut, Psychologe oder Sozialarbeiter, die ebenfalls über ein Tablet verfügen. Ein Mal pro Woche treffen sich alle Therapeuten zum Informationsaustausch.

Speziell an die Bedürfnisse der Therapeuten angepasst

In der Zwischenzeit kommunizieren sie mithilfe eines Tablets untereinander und mit ihren Patienten. Das mobile Gerät wurde vom Deutschen Zentrum für Künstliche Intelligenz speziell für das Projekt an die Bedürfnisse der Therapeuten angepasst. „Die verschiedenen Therapeuten sollen sich engmaschig austauschen“, sagt Dr. Anika Steinert, Leiterin der Arbeitsgruppe Alter & Technik an der Charité, die das Projekt wissenschaftlich begleitet. Zur Kommunikation bietet die im Tablet integrierte App einen Messengerdienst, der klassische E-Mail-Funktion beinhaltet. Wenn beispielsweise der Physiotherapeut am Vormittag die Reha-Maßnahme abbricht, weil es dem Patienten nicht gut geht, kann er den Ergotherapeuten darüber in Kenntnis setzen, damit dieser seinen für Nachmittag angesetzten Termin noch rechtzeitig verschieben kann.

Die Therapeuten müssen diese Informationen nicht eintippen, sondern können sie wahlweise auch diktieren, ebenso wie Berichte. „Die Spracherkennungs-Funktion wurde von Beginn an gewünscht und wird inzwischen sehr gut angenommen “, stellt Steinert fest. Die Zufriedenheit der Anwender beim Einsatz der Spracherkennung hängt mit der hohen Erkennungsrate zusammen, die in den vergangenen Jahren durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verbessert wurde.

Wie kann die mobile Reha der Zukunft aussehen?

Das Deutsche Zentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) hat den medizinischen Sprachkenner von Nuance zum Erkennen der natürlichen Sprache in die App integriert. Die Therapeuten können mit der Erkennungsfunktion auch ihre Berichte vor Ort, je nach Situation in der Wohnung des Patienten oder im Auto, in den Tablet-PC diktieren. „Wir verwenden kein fertiges Produkt, sondern erforschen, wie eine Informationsinfrastruktur für die mobile Reha in Zukunft aussehen kann“, schränkt Dr. Norbert Reithinger vom DFKI ein. Dennoch ist er mit dem bisherigen Verlauf des Projekts zufrieden. Die Ergebnisse werden nach dem Ende des Feldtests ausgewertet und publiziert. Besonders die beteiligten Unternehmen werden nach dem Ende des Projekts die Umsetzung übernehmen.

Dieser Artikel ist erschienen in der aktuellen Ausgabe der kma Klinik Management aktuell.

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