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Deutscher ÄrztetagTelemedizin kommt in Deutschland weiter nur schleppend voran

Vor einem Jahr hat der Deutsche Ärztetag die Hürden für die telemedizinische Fernbehandlung gesenkt. Nun tritt das Ärzteparlament wieder zusammen. Doch die Telemedizin entwickelt sich weiter nur langsam.

Telemedizin
Proxima Studio/stock.adobe.com

Symbolfoto

«Es gibt eine große Diskrepanz zwischen dem, was versprochen wurde, und dem, was wirklich geschieht», so fasst Florian Weiß die Entwicklung der Telemedizin in Deutschland zusammen. Er ist Geschäftsführer des Münchner Arztbewertungs-Portals Jameda, zu dem auch der Videosprechstunden-Dienstleister Patientus gehört. Als der Deutsche Ärztetag vor einem Jahr dafür gesorgt hat, dass Ärzte per Telemedizin auch Patienten behandeln dürfen, die sie vorher nie gesehen haben, gab es Aufbruchsstimmung unter etlichen Firmen und auch Ärzten. Jetzt aber stellt Weiß fest: «Die Telemedizin ist immer noch nicht in der Breite angekommen.»

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sieht die Umsetzung der Fernbehandlung gleichwohl «auf einem guten Weg». Er ist sicher: «Video-Sprechstunden werden sich als eine von vielen Formen ärztlicher Patientenversorgung in Deutschland etablieren.»

Dabei hofft nicht nur Patientus darauf, dass sich telemedizinische Lösungen schneller verbreiten als im zurückliegenden Jahr. Auch bei der Teleclinic GmbH, die von München aus rund 250 Ärzte mit Patienten per Online-Chat und Video-Sprechstunde zusammenbringt, wartet Geschäftsführerin Katharina Jünger auf einen Durchbruch. Der sei vor allem aus einem Grund ausgeblieben, glaubt sie: Bislang können Ärzte eine Fernbehandlung ohne weiteren direkten Kontakt nur bei Privatpatienten problemlos abrechnen. Kassenpatienten sind weitgehend außen vor.

Es drängen immer neue Akteure in die Fernbehandlung

Deshalb müsse Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schnell seine Ankündigung umsetzen, auch für Kassenpatienten die Honorierungsregeln zu ändern, wünscht sich Jünger: «Sonst ändert sich in Deutschland relativ wenig.» Aber sie sieht auch andere Hindernisse. Ein Projekt der Teleclinic mit 30 Ärzten in Niedersachsen sei aus einem technischen Grund nicht zustande gekommen: «Die Internet-Versorgung war dort zu schlecht.»

Gleichzeitig drängen neue Akteure in die Fernbehandlung. Die Rhön-Klinikum AG mit Sitz im unterfränkischen Bad Neustadt an der Saale hat eine Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen Medgate vereinbart, es ist nach eigenen Angaben mit rund 300 Mitarbeitern an fünf Standorten «das größte ärztliche telemedizinische Zentrum Europas». Der Telemedizin-Markt habe für seinen Klinik-Konzern «ein großes Potenzial», sagt Rhön-Vorstandschef Stephan Holzinger.

Auch Europas größter Versicherungskonzern Allianz drängt auf den Markt der deutschen Telemedizin. Das Schweizer Medizin-Call-Center Medi24, das indirekt zur Allianz gehört, ist seit März auch in Deutschland präsent. Über eine Münchner Telefonnummer können Patienten dort medizinischen Rat suchen. In der Schweiz habe Medi24 in den vergangenen 20 Jahren bereits fast fünf Millionen Beratungen durchgeführt, sagt Deutschland-Geschäftsführer Milan Kingreen.

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