Georg Thieme Verlag KG

InterviewTelemedizin verbessert die Versorgung von Schmerzpatienten

Telemedizinische Angebote können wertvolle Unterstützung bei der häufig sehr zeitaufwändigen Behandlung von Schmerzpatienten bieten. Dr. Charly Gaul, ärztlicher Leiter der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein, erklärt die Vorteile von Patienten-Coaching und begleitenden Apps.

Charly Gaul
Charly Gaul

Dr. Charly Gaul ist ärztlicher Leiter der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein. Er hat gemeinsam mit Thieme TeleCare ein Kopfschmerzprogramm entwickelt und bei der Zusammenstellung der für Schmerzpatienten relevanten Inhalte in der Thieme Coach App beraten.

Telemedizinische Angebote können wertvolle Unterstützung bei der häufig sehr zeitaufwändigen Behandlung von Schmerzpatientinnen und -patienten bieten. Dr. Charly Gaul, ärztlicher Leiter der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein, erklärt die Vorteile von Patienten-Coaching und begleitenden Apps.

In Deutschland sind mehr als sechs Millionen Menschen durch chronische Schmerzen stark beeinträchtigt. Jede Patientin und jeder Patient hat ein individuelles Beschwerdebild, das eng mit der eigenen Lebensgeschichte verknüpft ist. Eine Behandlung ist häufig umso wirksamer, je gezielter sie auf den konkreten Patienten abgestimmt ist. Erster Ansprechpartner für Betroffene, ist in der Regel der Hausarzt oder die Hausärztin.

Wertvolle Unterstützung bei der in vielen Fällen sehr zeitaufwändigen Begleitung der Patienten bieten telemedizinische Angebote, wie beispielsweise das Programm „Chronischer Kopfschmerz & Migräne“ der IKK Classic. Davon profitieren Patienten und ihre behandelnden Ärzte gleichermaßen. Wir haben Dr. Charly Gaul, ärztlicher Leiter der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein, nach den besonderen Herausforderungen bei der Behandlung von Schmerzpatienten gefragt.

Herr Dr. Gaul, vor welchen Herausforderungen stehen Hausärztinnen und -ärzte bei der Behandlung chronischer Schmerzerkrankungen?

Gaul: Der Umgang mit Schmerzpatienten erfordert ein hohes Maß an Empathie und oft auch Durchhaltevermögen und Beharrlichkeit. Manchmal ist die Diagnose einfach und dem Patienten schon mit einer Schmerzmedikation geholfen. In vielen Fällen reicht das jedoch nicht aus; insbesondere, wenn sich der Schmerz bereits chronifiziert hat. Das Finden einer, für den Patienten individuell ausgewählten Akuttherapie und Prophylaxe, kann mehrere Termine erfordern.

Dazu kommt die psychische Belastung der Schmerzpatienten. Ob der Schmerz Ausdruck psychischer Belastungen ist oder der Schmerz zunehmend auch auf die Psyche schlägt – beides ist oft untrennbar miteinander verbunden und muss bei der Diagnose und Behandlung berücksichtigt werden. Dazu braucht es auch psychologisches Wissen und Geschick. Zuhören und Verständnis zeigen – auch für die psychischen Belastungen – ist hier daher in besonderem Maße gefragt. Hierfür im eng getakteten Praxisalltag die Zeit und zu finden und in besonderem Maße auch für Zwischentöne aufmerksam zu sein, fällt nicht immer leicht.

Wie stellt sich das Ihrer Erfahrung nach aus der Sicht der Patientinnen und Patienten dar?

Gaul: Der Leidensdruck ist bei Schmerzpatienten besonders hoch – auch, weil sich viele mit ihrem Leiden nicht angemessen wahr- und ernstgenommen fühlen. Von ihrem Arzt wünschen sie sich ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, Empathie und individueller Begleitung – die ihnen jedoch im eng getakteten Medizinbetrieb oft nicht zuteilwird oder werden kann. Darunter leiden übrigens auch oft die Hausärzte selbst. Sie sehen, dass der Patient Zuwendung und auch mentale Unterstützung braucht und wissen um die Limitationen, weil sie ihm diese häufig nicht in größerem Maße geben können, etwa weil das Wartezimmer voll ist.

Der Besuch beim Arzt ist immer ein punktuelles Ereignis. Zwischen den Terminen liegen oft mehrere Wochen. Was bedeutet das für den Patienten, aber auch für die Bewertung der Situation durch den Arzt?

Gaul: Zwischen den Terminen liegt tatsächlich oft viel Zeit. Für den Arzt ist es zur Beurteilung der Erkrankung und des Therapieerfolgs wertvoll, wenn er einen Eindruck bekommt, wie häufig der Schmerz auftritt, welche Formen er annimmt, wie die Begleitumstände sind und welche Maßnahmen sich eventuell als lindernd erweisen. Dabei hilft beispielsweise ein Schmerztagebuch. Das bildet jedoch nur einen Teil des Erlebens und Empfindens ab. Im Termin wird dann oft doch nur auf die gerade aktuelle Situation fokussiert. Wie es dem Patienten zwischen den Terminen (er)geht, bleibt oft weitgehend im Dunkeln. Viele Patienten wünschen sich eine wesentlich engmaschigere Begleitung. In einer akuten Schmerzsituation ist die Aussicht, den nächsten Termin in sechs Wochen zu haben, wenig hilfreich.

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