Georg Thieme Verlag KG

KommentarWas für ein Jahr

Unser Gastautor Admir Kulin blickt auf das bewegte Jahr 2020 zurück. Er zeigt sowohl auf die Schwachstellen, als auch auf die vielen Innovationen. Für Kulin war es ein Jahr des Gesundheitswesens.

Admir Kulin
m.Doc GmbH

Admir Kulin, Gründer und Geschäftsführer der m.Doc Gmbh, Anbieter für innovative digitale Gesundheitslösungen.

2020 wird mit Sicherheit seinen Platz in den Geschichtsbüchern finden. Es war aber auch ein Jahr, das uns viel gelehrt, viele Schwachstellen gezeigt und auch viele Innovationen hervorgebracht hat. Ein Rückblick auf ein bewegtes Jahr.

Der Dezember ist traditionell der Monat für Jahresrückblicke sowie für Ausblicke auf das kommende Jahr. Und da 2020 in jeglicher Hinsicht ein außergewöhnliches Jahr war, könnte man mit einer rückblickenden Analyse vermutlich einige Bücher füllen. Auch ich möchte mich an dieser Stelle an einem, vielleicht etwas anderem Rück- und Ausblick versuchen und verspreche, mich auf das Gesundheitswesen und da auf das Wesentliche zu fokussieren.

Damit will ich auch direkt beginnen. Denn wenn man nur eine Leistung in 2020 hervorheben dürfte, dann ist es sicherlich der unermüdliche und beispiellose Einsatz des medizinischen Personals. Ich spreche von den unzähligen Ärztinnen und Ärzten, den Pflegerinnen und Pflegern, Arzthelferinnen und -helfern, aber auch jenen Kolleginnen und Kollegen, die im Backoffice, der Verwaltung oder im Einkauf dafür sorgen, dass unsere medizinische Versorgung in Deutschland dieses hohe Niveau hat, das auch während einer Pandemie mit teils hoher Belastung gehalten werden konnte.

Ein Chapeau, Danke oder Applaus von Balkonen mag eine gutgemeinte Geste sein, zollt aber in keiner Weise den Respekt, den diese Menschen in diesem Jahr verdient hätten. Und wenn ich mir an dieser Stelle einen Ausblick erlauben darf, dann sollten wir in 2020 gelernt haben, dass die Kluft zwischen der Leistung des medizinischen Personals, insbesondere aber in der Pflege, und der Vergütung viel zu groß ist und damit beginnen, diese in unmittelbarer Zukunft zu schließen. Denn was wir derzeit mitten in der zweiten schweren Corona-Welle in Deutschland erleben ist ein Personalmangel in diesem wichtigen Bereich, der vor allem auch daher rührt, dass wir die Attraktivität dieses so wichtigen Berufs für unsere Gesellschaft durch eine zu geringe Vergütung und damit auch eine zu geringe Wertschätzung erheblich schmälern. Es ist also vielmehr ein persönlicher Wunsch als ein Ausblick, dass sich daran kurzfristig etwas ändert.

Vernetzung ist das A und O

Des Weiteren hat uns 2020 gelehrt, dass wir nur gemeinsam stark sind. Und dieser Gemeinsinn kann erst dann wirklich greifen, wenn wir in der Lage sind, uns auszutauschen um konzertiert zu agieren. Allerdings hat 2020 auch gezeigt, dass wir von einer solchen konzertierten Aktion in Deutschland noch sehr weit entfernt sind. Bestes Beispiel sind die Gesundheitsämter, deren Mitarbeiter täglich händische die Daten von unzähligen Faxen in die Systeme eingeben müssen, weil der dortige Digitalisierungsgrad den Möglichkeiten weiter hinterherhinkt.

Ein anderes Beispiel sind die Kapazitäten auf den Intensivstationen. Hier sind wir im internationalen Vergleich überproportional gut aufgestellt, stoßen regional allerdings immer noch schnell an Grenzen. Der Grund: Die einzelnen Kliniken und Krankenhäuser sind untereinander schlicht nicht gut genug vernetzt, um die deutschlandweiten Intensivkapazitäten in einer ungewöhnlichen Belastungssituation besser verteilen zu können. Wir haben also einen immensen Nachholbedarf und auch das sollte eines der Key-Learnings dieses Jahres für die Zukunft sein.

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