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KommentarWas für ein Jahr

Position verteidigen

Wir haben in 2020 außerdem bewiesen, wie hoch die Versorgungsqualität in Deutschland und wie belastbar unser Gesundheitssystem ist. International sind wir eines der Paradebeispiele während der andauernden Pandemie. Darüber hinaus haben die vielen digitalen Lösungen, die in diesem Jahr angetreten sind, das SARS-CoV-2 zu zähmen und die Pandemie zu managen, gezeigt, welche Innovationskraft in Deutschland schlummert. Und natürlich dürfen wir an dieser Stelle nicht vergessen, mit wessen Know-how einer der Impfstoffe entwickelt wurde, auf dem derzeit die große Hoffnung auf eine möglichst schnelle Rückkehr zur Normalität ruht. 2020 sollte dem Gesundheitssektor in Deutschland also auch eine gehörige Portion Selbstbewusstsein gebracht haben. Wir müssen uns keinesfalls verstecken oder schon gar nicht brav hinter anderen Ländern und Regionen einreihen, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht. Im Gegenteil: Seit diesem Jahr müssten wir eigentlich mit stolzgeschwellter Brust auf die internationale Bühne treten und rufen „Seht her, das sind übrigens Lösungen made in Germany“. Für die Zukunft wäre es allerdings richtig und wichtig, wenn vor allem das Kapital mehr an die Zukunftsfähigkeit deutscher Lösungen glauben würde. Denn bisher holen sich die innovativsten Unternehmen hierzulande den Zugang zu Kapital im Ausland. Das kann ich nur bedingt nachvollziehen und wünsche mir hier eine offenere, aber auch risikofreudigere Investitionskultur. Denn ohne sie – und das ist ein zentraler Aspekt eines Ausblicks in Richtung Zukunft – werden wir langfristig den Anschluss nicht halten können.

Wichtige Weichen gestellt

Immerhin wurde auf Bundesebene die Bedeutung der Digitalisierung im Gesundheitswesen erkannt und wird nun unter anderem mit dem Krankenhauszukunftsgesetz, kurz KHZG, gefördert. Dabei wurden offensichtlich auch Lehren aus bisherigen Digitalisierungsoffensiven gezogen. Denn die Förder- wie auch die Antragsbedingungen kommen relativ unbürokratisch daher.

Mit dem KHZG wurden in diesem Jahr also bereits wichtige Weichen für 2021 gestellt, die den Ausblick auf Digitalisierungsvorhaben in Kliniken und zentralen Gesundheitseinrichtungen überaus positiv erscheinen lassen. Allerdings muss uns klar sein, dass diese gezielte Förderung nur ein erster Schritt sein kann. In einem zweiten Schritt müsste sie mindestens auf weitere Bereiche des Gesundheitswesens ausgerollt werden, um die medizinische Versorgung auf digitaler Eben international wettbewerbsfähig zu halten. Denn auch das haben wir in diesem Jahr gelernt: Die digitale, kontaktlose und dennoch qualitativ hochwertige Versorgung von Patienten bringt nicht nur einen immensen Mehrwert mit sich, sondern wird auch breit über alle Altersschichten akzeptiert und genutzt. Das ist ein Vorteil, den wir unbedingt im kommenden und den darauffolgenden Jahren nutzen sollten.

2020 war ein (digitales) Gesundheitsjahr

Wenn ich es also noch einmal auf den Punkt bringen müsste, würde ich 2020 als Jahr der Gesundheit oder zumindest als Jahr des Gesundheitswesens beschreiben. Denn kaum ein Gut hatte in diesem Jahr einen dermaßen hohen Stellenwert. Mitunter ist es gut und wichtig, dass wir uns darauf besinnen, was wirklich zählt. Haben wir das erst einmal erkannt, können wir loslegen und mit dem Wissen und Know-how in diesem Land alles dafür tun, dieses Gut zu schützen. Wenn das durchaus schwierige Jahr 2020 in der Konsequenz dazu führen würde, würde ich sagen „Danke 2020. Du warst hart, du warst schwer und du warst an vielen Stellen unfair und hast an vielen Stellen vielleicht überproportional fest zugeschlagen. Aber wir haben dich verstanden. Wir werden daraus lernen, wir werden es in Zukunft besser machen und wir werden gestärkt aus dir hervorgehen.“

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