Signal an die Beschäftigten
Friedel weiß, dass die Klinik den Mitarbeitern einiges schuldet. Kommt es wirklich zur maximalen Kapitalausschüttung, entspräche das in etwa dem Beitrag, den sie in den Jahren geleistet haben und immer noch leisten, sagt er. Wann erstmals Geld fließen wird, ist allerdings ungewiss. Zwar sei das Haus heute über den Berg, „doch wir sind in die Corona-Talsohle gerutscht“, sagt Friedel. Das erste Quartal 2020 – also in der Zeit vor Corona – habe die Klinik unter dem Strich positiv abgeschlossen. Nach einem durch die Ausgleichszahlungen insgesamt guten Jahr 2020 plane er für 2021 jedoch mit einem negativen Ergebnis. Ab 2022 dagegen sei er „ganz optimistisch“ und rechne in den dann folgenden Jahren mit der ersten Ausschüttung.
Friedel will jetzt zeigen, „dass es machbar ist“, und auch die Skeptiker überzeugen. Zwar habe die neue Betriebsvereinbarung gute Resonanz bekommen, „doch viele werden es erst wirklich glauben können, wenn sie das Geld auf dem Konto haben“, sagt die heutige Betriebsratsvorsitzende Mareike Sudbrink. Für sie ist das Modell ein Signal an die Beschäftigten: „Endlich eine positive Botschaft nach all den Jahren.“ Das war auch Gert Prahm wichtig: „Wir wollten perspektivisch etwas entwickeln.“ Eine Prämie hätte da nicht gereicht.
Florian Friedel ist seit 2017 in Delmenhorst. Der Jurist und Sanierungsexperte arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Klinikmanager und war vor dem Wechsel an die Delme für das Klinikum Hann. Münden und die Deister-Süntel-Klinik in Bad Münder tätig. Der Betriebsrat um Prahm hat ihn kontaktiert, weil das Gremium Zweifel am Sanierungskonzept seines Vorgängers hatte. Friedel sollte für den Betriebsrat ein eigenes Gutachten erstellen – und er ist geblieben. Erst eingesetzt vom Insolvenzverwalter im Rahmen eines Geschäftsbesorgungsvertrages mit der 2018 gegründeten Hospital Management Group (HMG), den die Stadt dann übernommen hat. Mittlerweile zählt die HMG rund 30 Beschäftigte, die als Klinikleitungen und auf anderen operativen Schlüsselpositionen wie Pflegedienstleitung oder OP-Manager eingesetzt werden. Derzeit ist sie bundesweit in zwölf Kliniken aktiv. Friedel ist Mitgründer und Geschäftsführer der HMG.
Sparringspartner im Aufsichtsrat
Der 50-Jährige mag es, die Dinge anders zu machen. Das war seine Bedingung, als er nach Delmenhorst kam: „Ich mache es nur so, wie ich mir das vorstelle.“ Dazu gehörte auch, dass er eine Initiative von Politik und Verwaltung zum Umbau des Aufsichtsrates unterstützt.
In dem nun sieben Mitglieder zählenden Kontrollgremium sitzen jetzt neben OB Jahnz, einem Arbeitnehmervertreter und Abgesandten der zwei größten Stadtrat-Fraktionen drei ausgewiesene Experten. Barbara Schulte, Geschäftsführerin Finanzen und Infrastruktur des Klinikum Region Hannover (KRH), steht für das kaufmännische Know-how, ein ehemaliger Richter des Amtsgerichts für die juristische Expertise und Dr. Christoph Titz, Delmenhorster Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, für den medizinischen Part. Für Florian Friedel sind das „herausfordernde Sparringspartner“, doch ihm helfe „ihr Gespür für das, was operativ wichtig ist“, sagt er.
Dass die Kommunalpolitiker die Neubesetzung zuließen, sei nicht schwierig gewesen, versichert Axel Jahnz: „Es ist sinnvoll, kompetente Leute in den Aufsichtsrat zu holen, die etwas von der Materie verstehen. Wir mussten neue Voraussetzungen schaffen und neu denken. Da darf das Ego nicht im Vordergrund stehen.“ Auch die Frage, wem die Besetzung der Chefarztposten obliegt, ist seitdem eindeutig geregelt. „Das ist für die Gestaltung der Zukunft des Krankenhauses immens wichtig und deshalb allein Sache der Geschäftsführung“, betont Friedel.
Die Klinik südwestlich von Bremen positioniert sich als „großer Grund- und Regelversorger mit relativ breitem Spektrum“. Dazu zähle die Thoraxchirurgie genauso wie regelmäßige Pankreas-OPs und eine große Notaufnahme mit zwei dort stationierten Notarztfahrzeugen. Bei einem Einzugsgebiet von rund 120 000 Menschen stehe die Existenzberechtigung seiner Klinik außer Frage, ist Friedel überzeugt – trotz der Nähe zu zahlreichen Krankenhäusern in der Hansestadt und in Oldenburg.


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