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Klinikum Delmenhorst830 neue Gesellschafter an der Delme

Der Fluch des Niels Högel

Ein Grundproblem für die Schieflage in Delmenhorst war das, was für diverse Krankenhäuser gilt: Die Kosten passten nicht zu den Erlösen. Zudem sank die Zahl der Patienten nach der Fusion um 15 Prozent, während die Personalkosten um sieben Prozent stiegen. Viel wurde damals mit dem Namen Niels Högel erklärt. Der ehemalige Krankenpfleger arbeitete von 2002 bis 2005 in Delmenhorst und hat in der Zeit mehr als 60 Menschen getötet. Högel wurde zuletzt 2019 zum zweiten Mal zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Dass sein Name noch immer mit der Klinik verbunden ist, macht den Verantwortlichen zu schaffen – „das liegt so lange zurück“, sagt Mareike Sudbrink. Doch wann immer wieder ein Prozess das Geschehen thematisiert – wie zuletzt Ende April, als es um die Rolle von leitenden Mitarbeitern des Klinikums Oldenburg ging, in dem Högel bis 2002 arbeitete – kocht alles erneut hoch. Florian Friedel allerdings ist die Mordserie als Erklärungsmuster nicht genug: „So etwas geht nicht spurlos an einem Haus vorbei, aber es war nicht der alleinige Grund für die bestehenden Probleme“, sagt er. Zudem mache man es sich damit zu einfach, „das hieße ja, dass man an der Situation wenig ändern kann“.

Er hat stattdessen die anderen Probleme aufgearbeitet – und er hat gehandelt. „Wenn sich schnell etwas verändern soll, müssen alle mitziehen und wieder selber Entscheidungen treffen“, betont Friedel. Deshalb hat er viel Zeit darauf verwandt zu verdeutlichen, was das Ziel ist – und dafür in Chefarztsitzungen zunächst „ausführlich das Thema Verweildauer und deren Wichtigkeit erklärt“. Seitdem wurde der Case Mix pro Belegungstag deutlich gesteigert, indem die Verweildauer gesenkt wurde. Parallel dazu hat er das Berichtswesen deutlich kompakter gestaltet. „Ganz wenige Zahlen berichten – die jedoch sehr regelmäßig und mit klaren Zielvorgaben“, beschreibt er seine Philosophie.

Für 2026 ist der Umzug geplant

Aktuell hat das Haus 290 Planbetten – bei der Fusion waren es noch 340 – „und auf dieser Grundlage entsteht jetzt auch der Neubau“, sagt Friedel. Den fördert das Land Niedersachsen mit 150 Millionen Euro. Zusätzlich hat Friedel einen Eigenanteil von rund 30 Millionen Euro errechnet, den das Krankenhaus im Rahmen seiner Wirtschaftsplanung selbst aufbringen soll. Für Anfang 2026 rechnet er jetzt mit dem Umzug in die neuen Räume – „vielleicht zu Ostern, dann ist die Belegung nicht so hoch“. Das denkmalgeschützte Gebäude, in dem die Klinik derzeit untergebracht ist – 1927 von dem Architekten Fritz Höger entworfen – fällt dann an die Stadt zurück. Dort werde bereits intensiv an einem Konzept für die Nachnutzung gearbeitet, sagt Axel Jahnz.

Florian Friedel mag Aufträge dieser Größenordnung. „Das ist viel spannender als richtig große Häuser“, sagt der 50-Jährige, der an den Wochenenden in seine rund 260 Kilometer entfernte Heimatstadt Schleswig pendelt: „In Delmenhorst habe ich mit allen Unternehmensteilen zu tun, bin sehr nah dran am Geschehen und an den Menschen – und ich kann selbst entscheiden.“ Zudem ist er hier noch nicht fertig: „Ich sehe die Entwicklung als Riesenerfolg und habe Spaß daran gewonnen.“ Weil ihn aber auch sein eigenes Unternehmen, die HMG, zunehmend fordert, wird er den Zeitrahmen für sein Engagement an der Delme nach und nach reduzieren. Als Klinikleiter, der das Haus operativ führt, hat er im Mai 2020 Dr. Christian Peters geholt, der bis dahin medizinischer Geschäftsführer der Diakonissenanstalt in Flensburg war. Friedel selbst widmet sich jetzt vor allem dem Neubau – und Gert Prahm wird auf Geschäftsführer Nummer 19 wohl noch etwas warten müssen.

So werden die Ausschüttungen berechnet

Alle DKD-Mitarbeiter sind über eine Betriebsvereinbarung zu gleichen Teilen an künftigen Gewinnen des Klinikums beteiligt. Gezahlt wird, „wenn wir alle unsere Investitionspflichten erfüllt haben“, sagt Geschäftsführer Florian Friedel. Vom Gewinn vor Steuern – also nachdem Abschreibungen und Zinsen abgezogen sind – werden demnach die ersten 300 000 Euro vollständig ausgeschüttet. Von den folgenden 600 000 Euro gehen 50 Prozent, von weiteren 600 000 Euro 25 Prozent an die Belegschaft. Insgesamt können so maximal 750 000 Euro ausgeschüttet werden. Das entspreche rund 1,5 Prozent der gesamten Lohnsumme, so Friedel.

Sollte das DKD verkauft werden, würden die Beschäftigten ebenfalls wie Gesellschafter am Erlös teilhaben. „So wächst das Gefühl, vollständiger Miteigentümer zu sein“, erklärt Friedel und betont: „Derzeit steht ein Verkauf überhaupt nicht zur Debatte.“ Kommt es zu Ausschüttungen, sind sie jeweils für September vorgesehen. Demnächst sollen alle Beschäftigten noch ein Zertifikat oder ähnliches erhalten, sagt Ex-Betriebsratschef Gert Prahm – „einfach auch etwas Haptisches“.

Erschienen in kma 07-08/21  Jetzt kaufen!

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