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St. Rochus KrankenhausAb 1. Juli hat Dieburg kein Krankenhaus mehr

Wegen Insolvenz stellt das St. Rochus-Krankenhaus in Dieburg bis auf eine Abteilung seinen Betrieb ein. Die Klinik, die erst im März 2015 vom Klinikum Darmstadt gekauft wurde, hatte zuletzt nur noch eine Bettenauslastung von 36 Prozent.

Die rund 100 verbliebenen Mitarbeiter des ehemals vom Bistum Mainz betriebenen Krankenhauses sind am Dienstag über die bevorstehende Insolvenz informiert worden, schreibt der "Dieburger Anzeiger". Erst im Januar hatten 15 Mitarbeiter gehen müssen. Entsprechend groß ist die Trauer unter den Mitarbeitern, von denen einige schon seit 40 Jahren und mehr im Krankenhaus arbeiten. Das Personal hatte demnach bereits durch ein Schutzschirmverfahren, das seit Anfang dieses Jahres angewandt wurde und eine Art Insolvenz in Eigenverwaltung darstellt, etliche Einbußen hinzunehmen. Man habe beispielsweise aufs Weihnachtsgeld verzichtet und Mehrarbeit mitgetragen. Wie die Klinikum-Sprecherin Eva Bredow-Cordier damals mitteilte, wolle man Zeit gewinnen.

Schließung trotz fünfjährigem Bestandsschutz
Die erste größere Kündigungswelle hatte es schon 2014 gegeben – damals noch unter der Regie des Bistums Mainz, das nur noch zehn Prozent Anteile am Rochus hält, so die Zeitung. Beim Verkauf der 90 Prozent an das Klinikum Darmstadt im März 2015 war ein fünfjähriger Bestandsschutz vereinbart worden. Der für die Kliniken des Bistums zuständige Pfarrer Angelo Stipinovich hatte demnach sogar betont, dass der Erhalt des weiterhin katholisch geprägten Krankenhauses für die Bürger im Vordergrund der Verkaufsüberlegungen gestanden habe.

Medizinische Versorgung sichergestellt
Die Techniker Krankenkasse (TK) Hessen wertet das Beispiel als Zeichen, dass Patienten neben der Wohnortnähe zunehmend auch die Behandlungsqualität wichtig sei. "Es ist zu beobachten, dass es für kleine Kliniken zunehmend schwieriger wird, sich zu behaupten", so Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung. Auch Gesundheitsminister Gröhe (CDU) sagte auf der Frühjahrstagung des Vereins "Gesundheitswirtschaft Rhein-Main" vergangene Woche, dass es sei weder ökonomisch noch sinnvoll sei, 2000 Kliniken im Land zu betreiben, "die alle alles können". Dabei bestätigte er jedoch, dass eine Schließung eine Region durcheinander wirbeln könne. Die medizinische Versorgung für die Bürger im Landkreis Dieburg ist weiter sichergestellt: Darmstadt mit insgesamt fünf Krankenhäusern ist nur 20 Autominuten entfernt.

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