Darüber berichten die "Göppinger Kreisnachrichten". Gerd Becker, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses, hatte im Interview mit der Zeitschrift "Kompass Gesundheit" die Arbeitsauffassung der jungen Kollegen bewertet. Er erwartet ein "zeitlich reduziertes Engagement im Beruf" bei Frauen, die verstärkt Medizin studieren und wegen der Familie vorübergehend ausfielen beziehungsweise später häufig in Teilzeit arbeiteten. Auch männliche junge Ärzte "arbeiten nur noch mit begrenztem Einsatz", hatte Becker angemerkt.
Anonymes Schreiben an den Chef
Diese Aussagen sorgten "für reichlich Irritation und Unmut unter den Assistenzärzten der Klinik am Eichert" heißt es in einem Brief, den die jungen Mediziner an Becker geschrieben haben und der der Zeitung vorliegt. Die Ausführungen "lesen sich überspitzt und lassen an längst überholte Zeiten erinnern (,Kinder, Küche, Kirche)", ärgern sich die Assistenzärzte. Eine Pauschalisierung erscheint ihnen "schwierig und falsch", eine zeitlich reduzierte Tätigkeit "steht unseres Erachtens in keinem Zusammenhang mit dem Interesse und dem Engagement bei der Klinikarbeit. Diese Äußerungen sind überholt, persönlich verletzend und dienen in keiner Weise einem kollegialen Miteinander", so die Nachwuchsärzte. Was die Männer angehe, finden es die anonymen Schreiber des Briefes an Becker "legitim, nach 24 Stunden (plus eventuell Überstunden) einen Dienst zu beenden und nach Hause zu gehen". Einerseits schreibe es das Arbeitszeitgesetz vor, andererseits sei es im Sinne der Patienten, sie nicht völlig übermüdet zu behandeln. Die Assistenzärzte seien "froh und stolz", dass sich die Arbeitsbedingungen verbessert hätten. "Eine ,Heroisierung der ehemals unzumutbaren Situation erscheint uns fragwürdig."
Becker zeigt sich reumütig
Gerd Becker hatte bereits vor einigen Tagen sein Bedauern zum Ausdruck gebracht. Es tue ihm leid, wenn seine Aussagen "falsch rübergekommen" sind. Er habe nicht die Absicht gehabt, "engagierte Mitarbeiter anzugreifen". Becker hat zusätzlich zu dem Brief persönliche Zuschriften von Assistenzärzten bekommen, setze sich damit auseinander und ist überzeugt, die Missverständnisse ausräumen zu können.


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