Mit dem neuen Dienstvertrag Einhäupls ist die Charité sehr spät dran. Der alte Vertrag mit dem 66-jährigen Neurologen endet in gut zwei Wochen am 31. August 2013, und in Wirtschaft und Verwaltung ist es üblich, Dienstverträge sehr frühzeitig zu verlängern oder einen Nachfolger zu präsentieren. Verzögerungen habe es nicht gegeben, erklärt dagegen Thorsten Metter, Sprecher von Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD), auf eine entsprechende Frage. Der Aufsichtsrat habe im Mai eine Verlängerung beschlossen und Senatorin Scheeres als Vorsitzende des Aufsichtsrates beauftragt, die "konkreten Vertragsbedingungen final zu verhandeln. Das ist geschehen".
An einen "konkreten Beschluss", wie vom Scheeres-Sprecher behauptet, können sich Insider, die mit dem Geschehen vertraut sind, nicht erinnern. "Einen solchen Beschluss hat es nicht gegeben", heißt es. Das Aufsichtsgremium habe vielmehr "grundsätzlich" die Bereitschaft für eine weitere Zusammenarbeit mit Einhäupl signalisiert und damit einem personellen Wechsel an der Spitze der Charité eine Absage erteilt. Jetzt muss der Aufsichtsrat über die Vorlage von Frau Scheeres abstimmen.
Einhäupls Vertrag: Spekulationen über Laufzeit und Bezüge
Die Verlängerung des Dienstvertrages von Einhäupl sorgt seit Monaten für Spekulationen. Im Frühjahr erklärte der Neurologe gegenüber einer Berliner Zeitung, er würde gern weitermachen. Allerdings nur mit der notwendigen Unterstützung und wenn ihn das Land nicht in eine "Mission impossible" schicke. Einhäupl forderte finanzielle Zusagen zur Auflösung des Modernisierungs- und Investitionsstaus in Höhe von 600 Millionen Euro als Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Betrieb. Laut "Berliner Zeitung" gab es auch Dissens über Einhäupls Bezüge. Scheeres wolle dem Vorstandsvorsitzenden fünf Jahre lang sein Gehalt bezahlen, auch wenn er nach drei Jahren aufhört. Das wären bei einem Jahresgehalt von gegenwärtig knapp 500.000 Euro bis zu rund einer Million Euro, schreibt das Blatt. Mittlerweile hat Thorsten Metter, der Sprecher der Senatorin, diese Zahlen dementiert.
kma Porträt 2009: Einhäupl - Der Individualist
"Vom Entgegenkommen des Landes wird es abhängen, ob Einhäupl seinen bis August 2013 laufenden Vertrag verlängert", berichtet das Blatt, zu dem der Neurologe einen guten Draht haben soll. Scheeres-Sprecher Metter wies Mutmaßungen, Einhäupl habe während der Vertragsverhandlungen gefordert, die investiven Mitteln von jährlich gut 30 Millionen Euro für laufende Baumaßnahmen und Geräte zu erhöhen, als falsch zurück.
Einhäupl ist auf Grund seines strikten Sparkurses in der Charité sehr umstritten, konnte aber in der Öffentlichkeit durch Überschüsse von acht Millionen Euro (2011) und fünf Millionen Euro (2012) punkten, auch wenn Bilanzexperten den Zahlen nicht trauen. Auf der anderen Seite geriet Einhäupl im vergangenen Jahr durch mehrere Kommunikationspannen – Keime auf der Frühchenstation, ungeklärte Missbrauchsvorwürfe – zeitweise ins Kreuzfeuer der Kritik.
Wird die Pflege viertes Mitglied im Vorstand?
Auf der Tagesordnung steht mit der Besetzung der Pflegedirektion ein weiteres brisantes Thema. Der 2009 abgeschlossene dreijährige Arbeitsvertrag von Pflegedirektorin Hedwig Francois-Kettner, der durch einen Sonderarbeitsvertrag verlängert wurde, läuft aus. Derzeit ist unklar, ob die seit 1984 amtierende – bis 2005 im früheren Universitätsklinikum Steglitz – und fachlich sehr versierte Pflegedirektorin für diese Aufgabe weiterhin zur Verfügung steht. Die bundesweit bekannte Fachfrau, die im September ihren 63. Geburtstag feiert, übt zahlreiche Ehrenämter aus. Diskutiert wird auch, ob die Leitung der Pflege als viertes Mitglied in den Vorstand aufrücken soll. Dafür gibt es im Aufsichtsrat der Charité offenbar (noch) keine Mehrheit.
Schiffer kehrt der Charité den Rücken
Als Kandidat für diesen Posten im Gespräch war der stellvertretende Pflegedirektor Helmut Schiffer. Der 52-Jährige soll großen Rückhalt unter den Pflegekräften haben, aber verärgert über die fehlende Unterstützung durch Entscheidungsträger innerhalb der Charité gewesen sein. Schiffer will Berlin verlassen, er wurde im Juli vom Aufsichtsrat des Universitätsklinikums Freiburg zum neuen Pflegedirektor und in den Vorstand der Uniklinik gewählt. Seine neue Stelle in Südbaden wird Schiffer voraussichtlich im Januar 2014 antreten.
Die Vertragsverlängerung der bereits vom Fakultätsrat wiedergewählten Dekanin Annette Grütters-Kieslich scheint lediglich Formsache, der Vertrag mit Klinikdirektor Matthias Scheller war im Frühjahr verlängert worden.


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