Die Situation von Vivantes, die Kooperation mit der Charité, der Rückzug der Länder aus der Krankenhausfinanzierung, das Aufholen der kommunalen Träger gegenüber den privaten – über alle diese Themen äußerte Vivantes-Chef Joachim Bovelet sich in gewohnt munterer Weise. Ganz so als sei nichts geschehen, als hätte er nicht vor wenigen Tagen seinen Rücktritt erklärt. Auf Nachfrage kam er dann doch auf die Gründe für sein Ausscheiden aus Deutschlands größtem kommunalen Klinikkonzern zu sprechen. "Triebfeder" seien für ihn persönliche, familiäre Gründe: Seine Frau lebe mit drei von insgesamt vier Töchtern in seiner Heimat in Olpe und er pendele seit nunmehr sechs Jahren zwischen Berlin und der nordrhein-westfälischen Kreisstadt. "Ich habe eine kleine Bude in Berlin, da übernachte ich dreimal die Woche. Das hat zu Diskussionen in der Familie geführt. Ich möchte das nicht machen bis ich 60 bin", sagte der 56-Jährige. Berichte, er gehe vor allem wegen gravierender Konflikte mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum, wollte Bovelet nicht bestätigen.
Vielleicht geht er erst "im späten Verlauf des Jahres"
Wann genau er den Konzern verlassen wird, ließ er offen. "Ich habe keinen Fixpunkt gesetzt. Nur weil man gesagt hat, dass man irgendwann gehen möchte, ist man doch noch keine Lame-Duck." Möglicherweise gehe er erst "im späten Verlauf des Jahres", sagte Bovelet. Bis dahin werde er noch vieles weiterentwickeln und sich unter anderem mit der künftigen Nutzung der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik beschäftigen, wo bis vor Kurzem noch die Verwaltung von Vivantes inklusive Geschäftsführung untergebracht war. In jedem Fall sei er überzeugt, dass es in der Vivantes Geschäftsführung "vernünftig weitergehen" werde mit dem erfahrenen Finanzchef Bernd Kahnes, dem Kompetenz und Kontinuität vermittelnden Personalchef Christian Friese und Andrea Grebe, die schon die "Endverantwortung" für einen großen Klinikverbund in Ludwigsburg innegehabt habe.
6,75 Millionen Euro Jahresüberschuss
Zufrieden zeigte sich Bovelet auch mit den – bisher allerdings ungeprüften – Zahlen von 2012: Der Konzern hat einen Jahresüberschuss von circa 6,75 Millionen Euro erwirtschaftet bei einem Umsatz von rund 900 Millionen Euro. Damit liegt Vivantes zwar unter seiner Planung vom 7,5 Millionen Euro, aber immer noch deutlich über der letzten Prognose von 5,9 Millionen Euro. Zu den 6,75 Millionen Euro Jahresüberschuss hat mit 2,5 Millionen Euro das Forum für Senioren mit seinen 13 Einrichtungen beigetragen. Auch auch diesem Grund plant Bovelet am Kurs, jedes Jahr einen neue Altenpflegeeinrichtung zu eröffnen, festzuhalten.


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