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Klinikum BayreuthChefärzte weisen Vorwürfe zurück

In einer Stellungnahme weisen die Chefärzte des Bayreuther Klinikums die schweren Vorwürfe strikt zurück, die seit einigen Tagen gegen das Haus in der Öffentlichkeit zirkulieren. Die Ärzte reagieren damit auf einen Bericht des "Spiegel" über schwere Missstände im Haus wie auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft über angebliche schwere Fehlbehandlungen von Neugeborenen.

Während Klinikchef Roland Ranft schweigt, melden sich jetzt die 22 Chefärzte des Hauses mit einer gemeinsamen Stellungnahme zu Wort und gehen in die Offensive. Sie wehren sich gegen Vorwürfe, das Klinikum vernachlässige zugunsten einer höheren Profitabilität die medizinische Qualität, weil das Haus am Personal spare. Entsprechende Vorwürfe hatte der "Spiegel" unter anderem in seinem Bericht erhoben.

"Keine katastrophalen Zustände"
Die Vorwürfe empören die Chefärzte, deren Stellungnahme auch von der Pflegedirektion unterstützt wird. "Am Klinikum Bayreuth wird gute Medizin gemacht. Wir Chefärzte lassen uns nicht zu gesundheitsgefährdenden oder nicht notwendigen Maßnahmen nötigen, von wem auch immer", schreiben die Mediziner in einer handschriftlich unterzeichneten Stellungnahme. Das Klinikum liege wirtschaftlich im Mittelfeld deutscher Krankenhäuser, "eine solide Finanzlage mache ärztlich freies Handeln und optimale Therapien erst möglich", so die Chefärzte. Generell ließen sich "einzelne Probleme an einem Krankenhaus nicht immer vermeiden, aber am Klinikum Bayreuth herrschen keine katastrophalen Zustände".

Auch gegen Anschuldigen, das Haus würde zu viele ausländische Ärzte beschäftigen, verwahrten sich die Unterzeichner. "Wir sind froh über unsere ausländischen Kollegen. Ohne sie würde das oberfränkische Klinikwesen am Boden liegen." Die Chefärzte versprachen, "mit mehr Transparenz nach innen und außen das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Medien wiedergewinnen" zu wollen.

Ob das tatsächlich gelingen wird, bleibt abzuwarten, denn die zirkulierenden Vorwürfe sind schwer. Besonders jene, die mit der anonymen Anzeige einhergehen, weswegen jetzt die Bayreuther Staatsanwaltschaft gegen Verantwortliche der Klinik ermittelt. Laut der Anzeige sollen drei Babys aufgrund falscher Behandlung im Haus schwere und "dauerhafte" gesundheitliche Schäden davongetragen haben. Ein Neugeborenes soll wegen der Falschbehandlung sogar gestorben sein. Weder der Klinikchef noch der Aufsichtsrat des Hauses wollen sich derzeit offiziell zu den Vorwürfen äußern. Selbst die Krankenhaus-Sprecherin darf dazu keine Auskünfte geben. "Diese Strategie hat der Aufsichtsrat so festgelegt, daran müssen wir uns halten."

Ministerium schaltet sich ein
Die Vorwürfe riefen inzwischen auch das bayerische Gesundheitsministerium auf den Plan. Die Behörde bat den Aufsichtsrat um eine Stellungnahme. Zwar habe man keine Aufsicht über die bayerischen Krankenhäuser. "Das heißt aber nicht, dass wir untätig bleiben", sagt ein Ministeriumssprecher. Für kommenden Dienstag ist eine Krisensitzung des Aufsichtsrates geplant. Dabei soll auch über Konsequenzen beraten werden, ist aus dem Bayreuther Rathaus zu erfahren. Im Umfeld des Krankenhauses wird bereits gemunkelt, dass damit auch personelle Maßnahmen gemeint sein könnten.

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