Einer der profiliertesten Krankenhausmanager Deutschlands, Joachim Bovelet, schmeißt seinen Job hin. Am Wochenende wurde bekannt, dass Bovelet nach sechs Jahren bei den Berliner landeseigenen Vivantes Kliniken sein Amt als Vorsitzender der Geschäftsführung aufgibt. Beobachter sprechen unverhohlen von einer Männerfeindschaft zwischen dem Krankenhausmanager Bovelet und seinem obersten Dienstherrn Finanzsenator Nußbaum.
Bovelet war erfolgreich – und unzufrieden
Schlussendlich kam der Rücktritt selbst für Brancheninsider unerwartet. Spannungsgeladen war das Verhältnis zwischen dem selbstbewussten Vivantes-Chef Bovelet und dem Berliner Senat von Anfang an. Bovelet modernisierte den Landesbetrieb durch eine Umschuldung die der Berliner Senat zu Beginn seiner Amtszeit gewährte, er rang den Mitarbeitern einen harten Sparkurs ab und trimmte den Landeskonzern durch eine Optimierung des medizinischen Portfolios in Richtung Kommunales Gesundheitsunternehmen. 2011 schloss der ehemals defizitäre Krankenhauskonzern mit gut fünf Millionen Euro Überschuss ab. Die Zahlen stimmten, aber in den einzelnen Krankenhausbetrieben war die Stimmung unter den Mitarbeitern schlecht. Obwohl es mit Vivantes voran ging, warb Bovelet öffentlich für seine Idee einer "kommunalen AG": Ein kommunaler Krankenhauskonzern, der in seinen Entscheidungen schneller und unabhängiger von landespolitischen Einflüssen agieren kann, das war sein Credo. Damit brachte er unmissverständlich seine Missbilligung gegenüber politisch besetzten Aufsichtsräten zum Ausdruck. Überhaupt wird Bovelet als jemand beschrieben, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Öffentlich soll er Nußbaum düpiert haben, indem er jedem der es hören wollte, sagte, dass er sowieso bei Vivantes mache, was er wolle. In der Fachwelt hingegen blieb er mit seinem Vorstoß einer "kommunalen AG" weitestgehend alleine.
Ein kritischer Artikel lässt Dienstherr Nußbaum schlecht aussehen
Dennoch stimmte der Vivantes-Chef 2010 einer Vertragsverlängerung bis 2017 zu, obgleich bereits von einigen Bedenken begleitet. Im vergangenen Jahr dürften sich dann endgültig ernstzunehmende Vorboten der aktuellen Vertrauenskrise angekündigt haben. Das unprofessionelle Krisenmanagement, als die Beziehung zwischen seiner Stellvertreterin, Dorothea Dreizehnter, und einer Vivantes-Chefärztin öffentlich wurde, wird ihm negativ angelastet. Ein Fehler, der umso schwerer wog, weil Dreizehnter mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum gut zurecht kam. Der Weggang von Dreizehnter war dann nicht die einzige umstrittene Personalie. Der Austausch nahezu des gesamten Managements auf Geschäftsführungsebene wurden Bovelet zuletzt als Führungsschwäche ausgelegt. Zum endgültigen Eklat aber in der Beziehungskrise zwischen Finanzsenator Ulrich Nußbaum und Joachim Bovelet dürfte es aufgrund eines ausführlichen Artikels des Berliner "Tagesspiegels" gekommen sein. In dem mit allerlei Hintergrundinfos gespickten Beitrag wird Nußbaums Besetzungspolitik bei wichtigen Aufsichtsratsposten von Vivantes und Charité auseinandergenommen. Hauptvorwurf: Er begünstige alte Bremer Seilschaften, darunter einen Bananenhändler. Der Artikel, so die Vermutung von Insidern, könne auch durch Vivantes-Indiskretionen angereichert worden sein. Fakt ist, dass Bovelet schon auf einer Aufsichtsratssitzung im Dezember vergangenen Jahres seinen Rücktritt angeboten hat. Der umstrittene Tagesspiegel Artikel erschien im November 2012. In der jüngsten Vergangenheit sind die persönlichen Attacken zwischen den beiden Männern immer vernichtender geworden. Der Boden für einen Neuanfang ist jetzt bereitet.
Lesen Sie in der kma: "Kommunale Aufsichtsräte: Schluss mit dem Parteienklüngel".
Vivantes in Zahlen:
Vivantes ist mit 14.000 Beschäftigten der größte kommunale Klinikkonzern Deutschlands und der zweitgrößte Arbeitgeber in Berlin. 2011 betrug das Jahresergebnis 5,1 Millionen Euro bei einem Umsatz von 865 Millionen. 2011 behandelte Vivantes 211.500 stationäre Fälle und 284.800 ambulante. In den Vivantes-Häusern stehen derzeit insgesamt 5.380 Betten.


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