Von hier gelangt der Besucher in eine lichte Eingangshalle zwischen den beiden Baukörpern. Sie fungiert als zentraler Verteiler zu allgemeinen Servicebereichen sowie den Untersuchungs-, Behandlungs- und Pflegebereichen in den weiteren Ebenen. In der Eingangshalle übernimmt die Form einer imposanten Wendeltreppe die Bildregie – ergänzt durch einen gläsernen Aufzug und großzügige Fensterfronten. Während die Diagnostik mit Notfallaufnahme und Ambulanzen im Erdgeschoß angeordnet sind, stellt das erste Geschoss die anbindende interdisziplinäre Eingriffsebene dar. Hier befinden sich das OP-Zentrum, ein Herzkatheter-Messplatz, Endoskopie, Intensiv- und Entbindungsbereiche sowie die Verwaltungsräume. In den beiden darüber liegenden Geschossen sind die Pflegebereiche untergebracht. Je Kubus gruppieren sich jeweils zwei Stationen auf einer Ebene um einen Innenhof.
Healing Architecture
An der Außenseite liegen die Bettenzimmer. Statt den Grüntönen in der Außenfassade sind die Innenräume durch gelbliche Farbgebungen akzentuiert, deren helle, freundliche Räume und nachhaltige Baumaterialien wie Holz zur schnelleren Gesundung der Patienten beitragen und eine angenehme Arbeitsatmosphäre für das Personal schaffen. Eine moderne Lichttechnik sorgt dafür, dass sich auch die Beleuchtung im Inneren am Tageslichtverlauf orientiert und so einen positiven Einfluss auf Mitarbeiter und Patienten nimmt. „Große Fensterfronten in den Patientenzimmern geben den Blick frei auf den neu angelegten Patientengarten oder auf den ‚Gottesgarten‘ am Obermain – alles in allem eine schöne Umgebung, um gesund zu werden“, ergänzt Eva Gill.
Im gesamten Gebäude wurden zudem umweltschonende Materialen, wie etwa Kautschukböden, verbaut. In den Stationsstützpunkten tragen spezielle Deckenelemente zur Lärmminimierung bei. Eine Rohrpostanlage, der Hubschrauberlandeplatz direkt auf dem Gebäudedach sowie ein Waren-Modulsystem dienen außerdem dazu, Wege, Zeit und Ressourcen sparen, um diese Zeit für die Patientenversorgung zu gewinnen. Neben den kurzen Wegen und jener heilungsfördernden Atmosphäre – in Fachkreisen auch „Healing Architecture“ genannt – trägt vor allem der hohe Einsatz regenerativer Energien dazu bei, dass das Klinikum Lichtenfels bundesweit ein Leuchtturm in Sachen Green Hospital ist. Durch ihren Einsatz entsteht ein enormes Einsparpotenzial gegenüber einem konventionellen Klinikbau.
Geothermie und Photovoltaik
„Zwölf Prozent des Strombedarfs sowie 26 Prozent des Wärme-Dampf-Bedarfs sollen in Zukunft durch erneuerbare Energien gedeckt werden“, erläutert Eva Gill. Eine große Rolle spielen dabei Geothermie und Photovoltaik: Zur Wärme- und Stromversorgung ist im Klinikum Lichtenfels eine komplexe Heizzentrale errichtet worden. Als Hauptheizung im Winter dient eine große Hackschnitzelanlage mit einer Leistung von 850 Kilowatt. Die Abwärme der beiden zur Stromerzeugung genutzten Blockheizkraftwerke mit einer Gesamtwärmeleistung von 400 Kilowatt wird im Winter zur Heizungsunterstützung und im Sommer über die Absorptionskältemaschine zur Erzeugung von Kälte für die Klimaanlage genutzt.
Zehn Erdwärmesonden im Wirtschaftshof des Klinikums, die in 99 Metern Tiefe liegen und abhängig von Witterung und Jahreszeit über eine Leistung von 50 bis 60 Kilowatt verfügen, erzeugen im Winter die Wärme für eine Fußbodenheizung, während sie im Sommer über die Betondecken zur Kühlung der Patientenzimmer verwendet werden. Ein Gaskessel mit 560 Kilowatt dient zudem als Puffer zum Ausgleich von eventuellen Schwankungen, ein weiterer mit 1 600 Kilowatt ist zur Absicherung für einen Totalausfall des Heizungssystems vorgesehen.
Wärmebedarf halbiert
Auch die diversen Photovoltaikanlagen, welche nicht nur auf dem Dach, sondern sogar in der Fassade des Klinikums untergebracht sind, repräsentieren das Konzept des „grünen Krankenhauses“. Die Spitzenleistung der 464 Module liegt bei optimaler Sonneneinstrahlung bei 120 Kilowatt – das ist laut Angaben des Klinikums genug, um 30 Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. Für den Stromausfall wird zudem ein Notstromaggregat mit einem 6 000 Liter-Dieseltank vorgehalten. Einsparungen sollen aber künftig nicht nur durch die Art der Energieerzeugung, sondern auch durch eine generelle Reduktion des Energieverbrauchs erreicht werden. „Das Energiekonzept sieht eine Halbierung des Wärmebedarfs vor“, so die Krankenhausdirektorin Eva Gill.
Allein durch die LED-, Hybrid- und neuentwickelten OLED-Leuchten wird der Beleuchtungsstromverbrauch, im Vergleich zum Altbau des Klinikums, um etwa 60 Prozent verringern. Durch die Tageslichtsteuerung in den Patientenzimmern entsteht ebenfalls Einsparpotenzial – selbst bei der medizinischen Ausstattung wurde Wert auf eine energiesparende Medizintechnik gelegt.


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