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ÜbernahmeDRK-Kliniken Nordhessen gehen an Helios

Die Gesellschafter der DRK-Kliniken Nordhessen wollen ihren Insolvenzantrag zurücknehmen. Zeitgleich wurde bekanntgegeben, dass ein strategischer Partner für den Erhalt der beiden Kliniken gefunden wurde.

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Der Insolvenzantrag der Gesellschafter der DRK-Kliniken Nordhessen soll zurückgenommen werden. Dazu wurde am 31. August PD Dr. Christian Roth als Geschäftsführer abberufen und die Oberin der DRK-Schwesternschaft Kassel e.V., Claudia Nehrig, zur alleinvertretungsbefugten Geschäftsführerin bestellt. Der neue Investor wird künftig die Helios Kliniken Gruppe sein.

Insolvenzverfahren beendet

Dr. Franz-Ludwig Danko, der am 25. Juni 2021 vom Amtsgericht Kassel als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt worden war, hat den Schritt der Gesellschafter begrüßt: „Wir haben im vorläufigen Insolvenzverfahren große Anstrengungen unternommen, um den stark defizitären Klinikbetrieb zu stabilisieren, erste Sanierungsmaßnahmen umzusetzen und damit die Möglichkeit einer Investorenlösung offen zu halten“, so der Insolvenzverwalter. Seit letzter Woche lagen Angebote von zwei aussichtsreichen Investoren vor, mit denen Danko verhandelte. Die Rücknahme des Insolvenzantrags steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das zuständige Amtsgericht Kassel.

Gemeinsam mit seinem Team und unterstützt von der Unternehmensberatung Roland Berger hatte sich Danko in den letzten zwei Monaten einen tiefen Einblick in die operativen und strukturellen Probleme der Kliniken verschafft und einige entscheidende Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt. Dazu gehörten beispielsweise die Aufarbeitung z.T. gravierender Defizite in der Personalabrechnung, ein deutlicher Abbau des Rückstaus in der Buchhaltung, die Vorbereitung überfälliger Jahresabschlüsse, die Neustrukturierung der Stationen, um den Personaleinsatz und die Bettenkapazität zu optimieren, die Kündigung unnötiger und teurer Verträge mit Dienstleistern etc. Daneben konnten die vollen Löhne und Gehälter aller Angestellten sowie der Mitgliederinnen der Schwesternschaft gesichert werden.

Dadurch war es gelungen, die Patientenversorgung und den stark defizitären Klinikbetrieb weiter am Laufen zu halten und trotz der schwierigen Umstände die Abwanderung wichtiger Leistungsträger zu verhindern. „Dies waren zwingende Voraussetzungen für die weitere Erfüllung des Versorgungsauftrags und eine Investorenlösung“, betonte Danko. „Daran kann der neue Investor nun anknüpfen und die dringend notwendige Sanierung fortsetzen.“

Der ehemalige Sanierungsgeschäftsführer der Kliniken hatte im Juni Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. Wenn das Gericht dem Antrag zustimmt, endet Dankos gesetzlicher Auftrag als vorläufiger Insolvenzverwalter, und die wirtschaftliche und operative Verantwortung liegt wieder voll bei den DRK-Kliniken Nordhessen.

Partnerschaft mit der Helios Kliniken Gruppe

Die DRK-Kliniken Nordhessen in Kassel mit den Standorten Kassel-Wehlheiden und Kaufungen sowie das angeschlossene Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) werden künftig zur Helios Kliniken Gruppe gehören. Einen entsprechenden Kaufvertrag haben Helios und der DRK-Schwesternschaft Kassel e.V. sowie der DRK-Soziale Dienste und Einrichtungen Nordhessen e.V. in dieser Woche unterzeichnet. Die DRK-Schwesternschaft bleibt Mitgesellschafter.

Der Erwerb steht unter dem Vorbehalt der Freigabe des Bundeskartellamtes und des Beschlusses zur Aufhebung des vorläufigen Insolvenzverfahrens, der zeitnah erwartet wird. Mit einem Abschluss der Übernahme wird im Laufe des vierten Quartals gerechnet. Der Kaufpreis beträgt 1 Euro und umfasst darüber hinaus die Übernahme der Verbindlichkeiten nebst der Liquiditätssicherung für den laufenden Betrieb und erforderliche Investitionen.

Helios plant, die stationäre Versorgung an den Standorten in Warburg und Kassel-Wehlheiden zu bündeln und das medizinische Angebot in den unterschiedlichen Fachbereichen eng miteinander zu verzahnen. „Unsere Überlegungen gehen dahin, den Standort Wehlheiden vorrangig auf komplexere Behandlungen zu konzentrieren, Warburg zuvorderst auf mittelschwere und einfachere Eingriffe. In Kaufungen möchten wir einen stärkeren Schwerpunkt auf die ambulante Versorgung inklusive ambulanter OP-Kapazitäten legen. Zusätzlich werden tele- und arbeitsmedizinische Angebote das Leistungsportfolio ergänzen“, erklären Robert Möller und Dr. Ulrike Heesemann, Regionalgeschäftsführer und medizinische Regionalgeschäftsführerin der Helios Region Süd, zu welcher der Neuerwerb sowie künftig auch der Standort Warburg zählen werden.

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