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Kritik an KV-Studie

„Für Ärzte in Notaufnahmen ein Schlag ins Gesicht"

Experten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) widersprechen der kürzlich veröffentlichten Studie zur Situation in Notaufnahmen. Diese spiegele nicht die Realität wider.

Notfall

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Die DIVI kritisiert die Untersuchung zur Situation in Notaufnahmen.

„Der Artikel verhöhnt das Personal in den Notaufnahmen, das oft am Limit arbeitet, um die vielen Patienten bestmöglich zu betreuen“, kritisierte Professor André Gries, Ärztlicher Leiter der zentralen Notaufnahme am Uniklinikum Leipzig. Am vergangen Mittwoch hatte das Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) eine Untersuchung veröffentlicht, laut der Durchschnitt nur rund 1,7 Patienten pro Stunde in der Notaufnahme eines Krankenhauses behandelt werden. Dies war im europäischen Vergleich eine sehr geringe Rate.

Viele Patienten nicht berücksichtigt

Für viele Ärzte sei das ein Schlag ins Gesicht, sagte Gries. Dabei hätte das Papier viele Fälle in Notaufnahmen nicht berücksichtigt und komme daher zu einem verzerrten Ergebnis. So seien privat versicherte Patienten oder Patienten, deren Notfallbehandlung die Berufsgenossenschaft trägt, nicht in die Untersuchung eingeflossen. Weiterhin seien die Patienten nicht aufgeführt, die nach ihrem Besuch in der Notaufnahme stationär aufgenommen worden seien.

Insgesamt seien nur die Fälle ausgewertet worden, die die Krankenhäuser als ambulante Fälle bei den Kassenärztlichen Vereinigungen abgerechnet haben. „Eine wissenschaftlich belastbare Studie ist das nicht“, kritisierte Gries. Ein Krankenhaus könne beispielsweise für jeden gesetzlich Versicherten nur einmal pro Quartal die Notfallpauschale abrechnen, selbst wenn er in dieser Zeit mehrfach die Notaufnahme aufsuchen musste.

Neustrukturierung der Krankenhauslandschaft notwendig

In ihrer Auswertung kommen die Autoren des Zi zu dem Schluss, dass das Risiko zu sterben für Patienten höher ist, wenn sie bei einem Notfall in selten besuchten Notaufnahmen behandelt werden. „Das ist aber schon lange bekannt“, sagte Gries. „Deshalb arbeitet der Gemeinsame Bundesausschuss aktuell an einer Neustrukturierung der Krankenhauslandschaft.“ Diskutiert würden dabei auch Vorgaben für die Kliniknotfallversorgung, beispielsweise die Abstufung nach Krankenhäusern, die leichte, mittlere und schwere Notfälle versorgen können. Die Notfallmediziner unterstützen darüber hinaus die Etablierung eines zentralen Notfallzentrums pro Krankenhaus anstelle vieler Einzelnotaufnahmen.

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  • Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin
  • Kassenärztliche Vereinigung
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