Die beiden sollen eine Rufmord-Kampagne gegen die Münsteraner Uniklinik inszeniert haben. Die 51-jährige Däbritz und ihr Lebensgefährte Wolfgang S. hätten in mehr als einem Dutzend anonymer Briefe die Uniklinik diffamiert und deren Ärzte für den Tod von zwölf Patienten verantwortlich gemacht, so die Anklage. Nun sitzen beide auf der Anklagebank und werdem vom Top-Anwalt Sven Thomas verteidigt, der einst Ex-Mannesmann-Chef Esser und kürzlich Formel-1-Boss Bernie Ecclestone juristisch vertrat.
Die Anklage mutmaßt, dass Däbritz aus Frust darüber, dass sie nicht früher als geplant die Nachfolge ihres Chefs, Hans H. Scheld, als Leiter der Herzchirurgie der Münsteraner Uniklinik antreten konnte, anonyme Briefe an die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm und Angehörige verstorbener Patienten geschickt habe. Das Online-Portal "Der Westen" berichtet:
"Däbritz begann im Sommer 2007 als Chefärztin für die Uniklinik Münster zu arbeiten. Teil ihres Vertrages war die Zusicherung, dass sie im September 2011 dort ärztliche Direktorin würde. Laut Anklage geriet sie jedoch bald mit ihrem Chef, Prof. Scheld, aneinander, sprach ihm eine "moderne Klinikführung" ab. Der Zwist zwischen den beiden sorgte für gehörige Unruhe, so dass Däbritz bald ihre Kündigung erhielt. Als Rache soll sie der Rektorin der Klinik eine Liste mit Mängeln in der Patientenversorgung geschickt, sich selbst mit den Details von Todesfällen befasst und ihre Sekretärin mit Recherche beauftragt haben."
In einem Schreiben an die Generalstaatsanwaltschaft Hamm im Juli 2008 sollen die Angeklagten die Daten von 14 nach Herz-Operationen verstorbenen Patienten genannt und massive Vorwürfe gegen die ärztliche Versorgung in der Uniklinik erhoben haben. All das beunruhigt das NRW-Wissenschaftsministerium, das unter der Leitung des Duisburger Herzspezialisten Arno Krian eine Experten-Kommission einsetzte, die der Uniklinik am Ende "ordnungsgemäße, dem internationalen Standard entsprechende Arbeit" attestiert. Das Uniklinikum, das massiv unter der Rufmordkampagne zu leiden hatte, beziffert den Erlösausfall mit rund fünf Millionen Euro.


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